Bergbaukonzerne
Rio Tinto tanzt auf zwei Hochzeiten

Der australisch-britische Rohstoffkonzern Rio Tinto denkt offenbar über einen teilweisen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten BHP Billiton nach. Aussagen von Rio-Tinto-Chef Tom Albanese erhärteten jüngst entsprechende Spekulationen.

SYDNEY. Beobachter in Australien gehen davon aus, dass Albanese eine Zusammenarbeit mit BHP anstreben könnte, falls der chinesische Staatskonzern Chinalco seinen Anteil an Rio nicht wie geplant auf 18 Prozent aufstocken kann.

Albanese habe diese Woche auf seiner Tour zu verschiedenen institutionellen Anlegern die Möglichkeit einer Kooperation mit BHP in der Eisenerzgewinnung in den Raum gestellt. "Ein Joint Venture mit BHP ist eher machbar als eine Lösung auf Unternehmensebene", zitierten australische Medien den Rio-Chef.

Die Aussage wurden von dem Unternehmen bestätigt - allerdings unter dem Vorbehalt, sie sei die Antwort auf eine spezifische Frage gewesen und nicht im Zusammenhang mit dem Chinalco-Angebot gemacht worden. Rio und BHP betreiben im westaustralischen Pilbara nur einen Steinwurf voneinander entfernt einige der größten Eisenerzminen der Welt.

Kommentatoren werteten die Äußerung dennoch als Bestätigung, dass Rio Tinto einen Plan B in der Schublade habe, sollten die australische Regulierungsbehörde und Schatzkanzler Wayne Swan dem Antrag Chinalcos auf Erhöhung des Anteils nicht zustimmen. Chinalco bietet 19,5 Mrd. US-Dollar, um seine Beteiligung an Rio Tinto von 9,3 auf 18 Prozent aufzustocken.

Im Gegenzug würden die Chinesen direkten Zugriff auf einige der bedeutendsten Minen und Infrastrukturanlagen Australiens erhalten. Auf dem Kontinent hat der Widerstand gegen das Vorhaben in den letzten Wochen zugenommen. Zudem soll Chinalco zwei Sitze im Rio-Aufsichtsrat erhalten. Damit hätte China - einer der wichtigsten Abnehmer australischer Rohstoffe - direkten Zugang zu geheimen und vertraulichen Informationen und Preisstrategien.

Eine Kooperation zwischen Rio Tinto und BHP Billiton im reichsten Eisenerzgebiet der Welt brächte bedeutende Synergien und ergäbe somit durchaus Sinn. Sie dürfte aber kaum realisiert werden, wenn Chinalco ihren Anteil erhöhen kann. Außerdem müsste eine Zusammenarbeit von den europäischen Wettbewerbshütern bewilligt werden. Die gut erschlossenen und reichen Minen, die Rio im Pilbara-Gebiet betreibt, standen auch im Zentrum der Übernahmegelüste von BHP Billiton im letzten Jahr.

Das unfreundliche Angebot von 60 Mrd. Dollar scheiterte damals nicht zuletzt wegen des überraschenden Einstiegs der Chinesen bei Rio Tinto. Außerdem hätte die Europäische Union ihr Einverständnis nur unter der Bedingungen gegeben, dass BHP bedeutende Aktiva verkauft. Auf diese Weise sollte eine Machtkonzentration im globalen Eisenerzgeschäft verhindert werden.

Ein Nein der australischen Regierung zum Chinalco-Angebot dürfte zu einem deutlichen Fall des Preises von Rio Tinto an der Börse Sydney führen. Schon jetzt zeigen zwischenzeitliche Einbußen, wie anfällig der Titel reagiert, wenn Spekulationen über das Scheitern der Offerte zirkulieren.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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