Bergbauriese Anglo American: Milliardengräber unterm Zuckerhut

Bergbauriese Anglo American
Milliardengräber unterm Zuckerhut

Thyssen-Krupp versenkte einen Milliardenbetrag beim Bau von Stahlwerken in Brasilien und den USA. Nun sind die Essener sind nicht mehr allein: Auch der Bergbaukonzern Anglo American schreibt Milliarden in Brasilien ab.
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Düsseldorf/LondonDeutschlands Stahlkonzern Thyssen-Krupp steht mit seiner Misere nicht mehr alleine da. Der Bau von Stahlwerken im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro und im US-Staat Alabama kosteten den Konzern mehrere Milliarden Euro. Nun räumt auch der Berbaugriese Anglo American ein vier Milliarden Dollar schweres Desaster in Brasilien ein.

Das Unternehmen mit Sitz in London und Johannesburg korrigiert den Wert der Eisenerz-Mine Minas Rio um vier Milliarden Dollar nach unten. Verzögerungen und immer höhere Kosten zwingen das Management zu diesem Schritt. Die Investitionen für das Projekt würden sich auf mehr als 8,8 Milliarden Dollar erhöhen, heißt es in einer Mitteilung. Ziel sei es weiterhin, bis Ende 2014 die ersten Eisenerz-Vorräte verladen zu können.

Die scheidende Firmenchefin Cynthia Carroll spricht von einer „Vielfalt von Herausforderungen“. Minas Rio ist die größte Baustelle des Konzerns und hauptverantwortlich dafür, dass die einst gefeierte Managerin ihren Ruhm eingebüßt hat. Die 56-jährige Carroll war die erste Frau, der erste externe Kandidat sowie die erste nicht aus Südafrikana stammende Person an der Spitze von Anglo.

Als neuen Vorstandschef kürte der Rohstoffkonzern Mark Cutifani als neuen Vorstandschef. Er soll zum 3. April Cynthia Carroll an der Spitze eines der größten Rohstoffkonzerne der Welt ablösen. Der Australier steuerte bislang den südafrikanischen Goldförderer AngloGold Ashanti, den drittgrößten Barrenproduzenten der Welt.

Anglo American hatte die brasilianische Mine für rund fünf Milliarden Dollar von dem brasilianischen Großindustriellen Eike Batista gekauft. Die Investitionen erreichten aber immer neue Höhen und liegen mittlerweile bei mehr als dem Dreifachen der ursprünglichen Annahmen. Eigentlich sollte der Kauf in Brasilien das Unternehmen unabhängiger von der Förderung in Südafrika machen.

Immerhin fällt die Abschreibung nicht ganz so schlimm aus, wie ursprünglich befürchtet. Der Kostenzuwachs ist „geringer als die Marktteilnehmer befürchtet hatten“, meint Fraser Jamieson, Bergbau-Analyst der US-Großbank JP Morgan. „Eine Abschreibung über vier Milliarden Dollar nach Steuern rangiert auch in der unteren Bandbreite der Erwartungen.“ So kletterte die Anglo-Aktie im Londoner Handel zunächst um mehr als zwei Prozent.

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