Bericht des "Stern"
Ex-Manager bezichtigt Siemens der Korruption

Siemens soll jahrelang russische Behördenmitarbeiter mit Millionen Dollar bestochen haben. Das schreibt das Magazin „Stern“ und führt als Kronzeugen einen ehemaligen Vertriebsleiter von Siemens an. Der Konzern prüft die Vorwürfe. Es sind nicht die ersten ihrer Art.

HB MÜNCHEN. Der Manager Sam Tsekhman habe in einer eidesstattlichen Erklärung angegeben, als Mitverantwortlicher für das Medizintechnik-Geschäft in Russland habe er von Siemens bis April 2000 regelmäßig hohe Summen in bar für Bestechungen erhalten. Das Geld sei für russische Amtsträger vorgesehen gewesen und habe sich in Einzelfällen auf bis zu 1 Millionen Dollar belaufen, berichtet das Magazin aus seiner neuen Ausgabe vorab. In Deutschland ist die Bestechung ausländischer Amtsträger seit Anfang 1999 strafbar.

Siemens hat zu dem Vorgang bereits eine interne Untersuchung eingeleitet, sagte ein Unternehmenssprecherin am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Grundsätzlich gebe es bei Siemens eine „strenge Vorgehensweise, wenn sich Verstöße gegen die Konzern-Verhaltensregeln herausstellen“. Weitere Angaben machte die Sprecherin zunächst nicht.

Konkret geht es laut Bericht um einen Vertrag im Volumen von 28,2 Millionen Euro mit dem Moskauer Burdenko-Institut. Um das Projekt zu bekommen, seien Bestechungsgelder von insgesamt 7 Millionen Euro eingeplant gewesen. Ex-Siemens-Mann Tsekhman wird vom "Stern" zitiert, er habe 2003 den damaligen Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer telefonisch und schriftlich über den Vorgang informiert.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte im April über den Fall des ehemaligen deutschen Siemens-Managers Peter Sipos berichtet, der vor der Siemens-Zentrale in Hungerstreik getreten war. Er wollte damit gegen "Betrug und Bestechung bei der Siemens AG" demonstrieren. Der Mann war für Siemens in Russland tätig und hatte dort nach eigenen Angaben von Mitarbeitern und Geschäftspartnern Hinweise darauf erhalten, dass Siemens sich Geschäfte mit Schmiergeld erkaufe. Inzwischen ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft - vor allem weil die so zustande gekommenen Verträge mit Hermes-Bürgschaften des Bundes abgesichert worden sein sollen.

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