Bericht des „Tagesspiegel“: Mehr Jobs als erwartet bei Bayer Schering in Gefahr

Bericht des „Tagesspiegel“
Mehr Jobs als erwartet bei Bayer Schering in Gefahr

Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer will einem Zeitungsbericht zufolge mehr als die bereits angekündigten 6000 Arbeitsplätze bei seiner neuen Tochter Bayer Schering Pharma abbauen.

HB BERLIN. Nach Informationen des "Tagesspiegels" sollen bei der Fusion zum neuen Pharma-Marktführer Bayer Schering 1500 bis 1800 Stellen an deutschen Standorten abgebaut werden. Weltweit seien zudem möglicherweise mehr als die bisher genannten 6000 Arbeitsplätze von Streichung bedroht, berichtet die Zeitung unter Berufung auf unternehmensnahe Quellen. Sprecher von Bayer Schering Pharma und des Mutterkonzerns Bayer kommentierten dies am Donnerstagabend nicht und verwiesen auf die Bekanntgabe von Details der Integration an diesem Freitag. Gegen den bereits verkündeten Abbau von 950 Stellen am Stammsitz Berlin wollen Beschäftigte am Freitag demonstrieren.

Auf Betriebsversammlungen an zahlreichen Standorten will Bayer Schering Pharma an diesem Freitag über die Integrationsmaßnahmen informieren. Im Anschluss an die Veranstaltung in Berlin hat der Betriebsrat bereits zu einem Protestzug aufgerufen.

Gegen den geplanten Abbau von jeder sechsten Stelle in der Hauptstadt muss sich das Unternehmen zudem auf Gegenwind von der Politik gefasst machen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte am Donnerstag, dass er von "einem so riesigen Unternehmen mit Gewinnen" erwarte, Personalabbau sozialverträglich zu gestalten. Jene 600 Mitarbeiter, die bisher noch keine Perspektive hätten, dürften nicht auf der Strecke gelassen werden.

"Das Berliner Landesparlament ist gefordert, alles zu unternehmen, um möglichst viele Arbeitsplätze bei Schering zu retten", sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Franziska Eichstädt-Bohlig. Eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses sei beantragt worden, bei der auch Firmenleitung und Betriebsrat angehört werden sollen. Zu klären sei, ob der Stellenabbau noch reduziert und über 2008 hinaus sozialverträglich gestaltet werden könne. Die FDP will eine Anhörung zur Zukunft Berlins als Pharmastandort im Wissenschaftsausschuss.

Wie der Mutterkonzern Bayer am Mittwoch mitgeteilt hatte, sollen in der Hauptstadt 950 der 5500 Stellen bei Bayer Schering Pharma abgebaut werden. Für 350 Beschäftigte gibt es bereits individuelle Regelungen, für 600 sollen "Instrumente für sozialverträgliche Lösungen" gefunden werden. Bis Mitte nächsten Jahres gilt zudem ein Schutz vor Entlassungen. Der Betriebsrat hatte kritisiert, die Schmerzgrenze sei damit "mehr als deutlich überschritten". Zudem reiche der Verzicht auf Entlassungen für die Länge des Integrationsprozesses nicht aus.

Wowereit sagte unter Berufung auf Zusagen von Bayer-Chef Werner Wenning: "Ich habe keinen Zweifel, dass Bayer Schering Pharma den Standort Berlin ausbauen will." Er habe Bayer angeboten, gemeinsam auszuloten, wie Forschung, Gesundheitswirtschaft und Pharmaproduktion noch besser in Berlin vernetzt werden könnten. Der Chemie- und Pharmakonzern hatte sich im Frühjahr 2006 mit einem 17-Milliarden- Euro-Gebot in einem Bietergefecht die Mehrheit an Schering gesichert.

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