Bericht
Gaspreise auf Rekordniveau gestiegen

Die Gaspreise für Privatkunden in Deutschland sind einem Medienbericht zufolge dramatisch gestiegen. Mehr als die Hälfte aller 700 Gasversorger habe die Preise zum 1. Oktober angehoben. Industrielle Großabnehmer kämen dagegen besser weg.

HB KÖLN. Die Gaspreise in Deutschland sind nach Berechnungen des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“ im Vergleich zum Juli 2004 im Schnitt um 20 Prozent gestiegen. Der Jahresverbrauch einer vierköpfigen Familie in einem kleinen Reihenhaus koste inzwischen fast 200 Euro mehr als noch vor gut einem Jahr, berichtete das Magazin. Industrielle Großabnehmer hätten dagegen geringere Mehrkosten als Privatkunden und Kleingewerbe. Teilweise zahlten sie sogar nicht mehr als vor drei Jahren.

Mehr als die Hälfte aller 700 Gasversorger habe die Preise zum 1. Oktober angehoben, einige verlangten schon im August und September höhere Preise, berichtete „Plusminus“ unter Berufung auf eigene Datenreihen. Andere Unternehmen drehten schon zum vierten Mal in diesem Jahr an der Preisschraube. Dabei fielen die Aufschläge mit knapp 6 bis zu 40 Prozent sehr unterschiedlich aus. Den höchsten Anstieg mussten die Kunden in Walsrode (Niedersachsen) verkraften. Die teuersten Anbieter liegen in den neuen Ländern.

Bei den Technischen Werken Naumburg in Sachsen-Anhalt zahle ein Kunde für einen Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden mittlerweile gut 1347 Euro. Aber auch nordrhein-westfälische Stadtwerke seien inzwischen in höheren Preisregionen angelangt: In Düren bei Köln verlangten die Stadtwerke mit 1286 Euro für 20 000 Kilowattstunden bundesweit die fünfthöchsten Preise. Das billigste Erdgas Deutschlands werde weiter in Niedersachsen verkauft: Bei den Stadtwerken Geesthacht zahle der von „Plusminus“ betrachtete Musterkunde zur Zeit noch 966 Euro.

Trotz des aktuellen Anstiegs rechnet der Gasmarkt-Experte Uwe Leprich bereits in absehbarer Zeit wieder mit sinkenden Preisen. „Bis zum 1. Juli 2006 wird es eine Kostentransparenz geben“, sagte der Wissenschaftler vom Institut für Zukunftsenergiesysteme der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Die Bundesnetzagentur werde die Daten der Gasversorger erheben. „Es wird wohl zu einer Entlastung der Verbraucher kommen, denn ich gehe davon aus, dass die Entgelte zu hoch sind“, sagte Leprich. „Warum sonst sollten sich die Konzerne sperren, die Kalkulation offen zu legen?“

Unternehmen weigern sich Kostenkalkulation offen legen

Mit der Weigerung einiger Kommunen, die letzten Gaspreiserhöhungen zu zahlen, sei eine neue Dimension erreicht. „Das ist erheblich“, sagte Leprich. Die Gemeinden fordern, dass die Energieversorger ihre Kostenkalkulation offen legen, die Unternehmen weigern sich jedoch.

„Gegenüber der Netzagentur müssen sie das sowieso. Die Chancen für die Kommunen sind gut“, sagte Leprich und verwies auf den Paragrafen 315 des Bürgerlichen Gesetzbuches: Demnach muss der Lieferant einer Ware dem Kunden gegenüber auf Verlangen nachweisen, dass der verlangte Preis sachlich gerechtfertigt ist.

Das Bundeskartellamt hatte bereits angekündigt, gegen die langfristigen Verträge der Gasanbieter vorzugehen. Das Kartellamt will nach dem Scheitern von Verhandlungen mit den Gaskonzernen die Öffnung des Marktes durch Verfügungen erzwingen. Die derzeit üblichen Verträge mit Laufzeiten bis 25 Jahre verwehrten den Stadtwerken, zu günstigeren Anbietern zu wechseln und bessere Preise an die Verbraucher weiterzugeben.

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