Berichtssaison gestartet
US-Konzerne mit der Wende ins Minus

Alcoa weist den Weg: Zum Start der Berichtssaison legt der Aluminiumriese rote Zahlen vor. Zudem schockt Chevron mit einer Gewinnwarnung. Es ist eine Trendwende: Für die US-Firmen geht es nach vier Jahren wieder abwärts.
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Die US-Giganten schwächeln: Ausnahmen mögen auch in dieser Berichtssaison die Regel bestätigen, aber die meisten Firmen der größten Wirtschaftsmacht der Welt werden in den kommenden Wochen sinkende Gewinnzahlen oder sogar Verluste ausweisen. Seit vier Jahren sind die Daten im Durchschnitt gestiegen, damit ist vorerst Schluss. Das dürften auch deutsche Firmen zu spüren bekommen.

Den Auftakt machte heute Nacht wie üblich Alcoa - die Zahlen des Aluminium-Riesen gelten als wegweisend für viele Konzerne. Und Alcoa ist wegen diverser Sonderausgaben tief ins Minus gerutscht. Im dritten Quartal lief ein Verlust von 143 Millionen Dollar auf. Die Sonderposten schlugen ein Loch von 175 Millionen Dollar in die Bilanz. Dabei geht es um Umweltzahlungen, einen Feuerschaden sowie die Beilegung eines jahrelangen Rechtsstreits mit Aluminium Bahrain.

Im Vorjahresquartal hatte Alcoa noch einen Gewinn von 172 Millionen Dollar verbucht - es hätte also auch ohne die Sonderbelastung einen kräftigen Gewinnrückgang gegeben. Der Grund für diesen Erlösschwund sei vor allem ein Preisrückgang von fast einem Fünftel gewesen, erklärte Alcoa. Zudem hat das kräftige Marktwachstum der vergangenen Jahre mit der Abkühlung der chinesischen Wirtschaft ein abruptes Ende gefunden. Alcoa kappte die Wachstumsprognose für 2012 jetzt von sieben auf sechs Prozent.

Dazu passte, dass auch noch der US-Ölkonzern Chevron seine Anleger auf ein deutlich schwächeres Geschäft im dritten Quartal einstimmte. Eine dicke Gewinnwarnung, weil das Öl- und Gasgeschäft schwächelte.

Zwei Beispiele gleich zum Start der Berichtssaison sinnbildlich für einen Trend: Die Gewinne der US-Konzerne dürften insgesamt bescheidener ausfallen - im Durchschnitt gehen Analysten davon aus, dass sie im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent sinken werden. Das wäre das erste Minus seit knapp vier Jahren.

Dennoch, zumindest von den ersten Quartalskandidaten werden Gewinnzuwächse erhofft. Nach Alcoa legt am Freitag die US-Bank JP Morgan ihre Ergebnisse vor. Analysten erwarten im Durchschnitt einen Gewinn von rund 4,9 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspräche das einer Steigerung von immerhin rund 12 Prozent. Ebenfalls am Freitag gewährt auch Wells Fargo einen Blick in seine Bücher. Auch hier erwarten die Analysten im Durchschnitt einen Gewinnzuwachs. Während das Unternehmen im dritten Quartal 2011 noch 4,1 Milliarden US-Dollar verdiente, schätzen die Experten den Gewinn in diesem Quartal auf 4,7 Milliarden US-Dollar.

Doch in anderen Branchen sieht es schlechter aus. Einen Vorgeschmack auf eine schwache Berichtssaison lieferten prominente Unternehmen wie der Logistiker Fedex, Baumaschinenhersteller Caterpillar und Eisenbahn Norfolk. Insbesondere die Fedex-Warnung - der Konzern senkte kürzlich seine Gewinnprognose um knapp zehn Prozent - schockierte viele Marktexperten. Die Logistiker hatten gute Zeiten erwartet, nicht zuletzt durch das neue iPhone von Apple. Das ist ein Kassenschlager, es müssen viele Pakete verschickt werden.

Erst am Montag hatte der Internationale Währungsfonds IWF die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Zudem warnte vor einer globalen Rezession gewarnt. „Das Risiko einer gravierenden Verlangsamung der Weltkonjunktur ist alarmierend hoch“, schrieb der IWF in seinem „World Economic Outlook“.

Den Abwärtstrend bestätigen neben dem Logistiker Fedex auch andere international tätige US-Konzerne wie Caterpillar. "Das Wachstum schwächt sich deutlicher ab als erwartet", sagte Caterpillar-Chef Doug Oberhelman, "wir gehen von einem kraftlosen Wachstum bis 2015 aus."

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  • Man kann nicht Griechenland mit usa vergleichen, das ist einfach absurd.
    Griechenland wird immer arm sein; das liegt eben an den Griechen: Über Jahrhunderte versklavte, orientalisierte "Bevölkerung".

  • "FED ist Großaktionär"

    Genau das ist doch der Plan!

    Die FED ist keine Zentralbank im klassischen Sinn, sie ist eine von PRIVATBANKEN organisierte Notenbank. Diese Banken ziehen nach und nach alle Aktien (Realwerte) an sich und lassen dann das Geldsystem zusammenbrechen. In Europa passiert gerade genau das selbe.

    Wer immer noch glaubt, daß Merkel alles versteht und im Griff hat, dem ist nicht mehr zu helfen!

  • +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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