Bernd Osterloh
VW-Betriebsratschef will Sicherheit für Leiharbeiter

VW-Betriebsratschef Osterloh verlangt von dem Autobauer Festverträge für Hunderte Zeitarbeiter. Bis 2014 sei der Konzern ausgelastet. In der Diskussion um Scheinwerkverträge stellt er sich hinter die Unternehmensführung.
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WolfsburgDer Autobauer Volkswagen soll weitere Leiharbeiter zu Stammbeschäftigten machen. Das fordert der einflussreiche VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh im Gespräch mit dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Bis Ende August hat VW innerhalb von zwei Jahren 3000 Leiharbeiter fest angestellt. Wir sind bis zum Jahresende gut ausgelastet. Deshalb wollen wir, dass weitere Zeitarbeitnehmer, die 36 Monate dabei sind, übernommen werden“, sagte Osterloh.

Mit dem Unternehmen spricht der Betriebsrat darüber, auch alle Zeitarbeiter an den deutschen Standorten einzustellen, die in den kommenden drei Monaten länger als 36 Monate bei VW sind. „Das sind jeweils einige Hundert“, erklärte Osterloh. Die Frist von drei Monaten gelte, weil die konjunkturellen Aussichten mittelfristig schwer einzuschätzen seien.

In der Diskussion um den Missbrauch von Werkverträgen stellt sich der Betriebsratschef hinter das Management. „Bei Volkswagen gibt es keine Scheinwerkverträge. Die passen nicht zu unserer Unternehmenskultur“, sagte Osterloh dem Handelsblatt. „Bekommen wir Hinweise auf Probleme, gehen wir diesen nach und helfen den betroffenen Kollegen. Das war im Jahr 2012 zweimal der Fall.“

Wie das Handelsblatt berichtet, lagert VW Logistikdienste an billigere Subunternehmen aus. Während Stammbeschäftigte die Logistik für den Golf in Wolfsburg übernehmen, transportieren Werkverträgler des Subunternehmens Ceva Logistics die Teile für den Tiguan. In Eidesstattlichen Versicherungen, die dem Handelsblatt vorliegen, zeichnen einzelne Ceva-Beschäftigte ein Bild, nach dem sie wie Festangestellte behandelt werden. Sollten ihre Vorwürfe zutreffen, könnten ihre Werkverträge illegal sein und die Betroffenen sich bei VW einklagen.

Das Unternehmen ist alarmiert. „Hinweise auf mögliche Verstöße nehmen wir ernst und gehen ihnen nach. Sollten Verstöße festgestellt werden, stellen wir sie ab“, betonte VW auf Anfrage. Im konkreten Fall sieht der Konzern aber kein strukturelles Problem im Einsatz von Ceva. „Den Vorwurf, es gebe in diesem Zusammenhang Scheinwerkverträge, weisen wir klar zurück“, so der Konzern.

Gut 450 Ceva-Mitarbeiter arbeiten in drei Schichten. Sie werden nicht wie die Stammbelegschaft nach dem IG-Metall-Tarif entlohnt, sondern nach dem der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Ein Ceva-Staplerfahrer verdient demnach einen Stundenlohn von 9,77 Euro. VW-Festangestellte bekommen mit 19,45 Euro mehr als das Doppelte.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Massimo Bognanni ist Reporter im Handelsblatt Investigativ-Team.
Massimo Bognanni
Handelsblatt / Reporter im Investigativ-Team

Kommentare zu " Bernd Osterloh: VW-Betriebsratschef will Sicherheit für Leiharbeiter"

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  • Bei den Versuchsfahrern im PG siehts nicht anders aus,gleiche Arbeit aber nur zwischen 40 und 60 Prozent des Lohns.Und Natürliche alles (Ast)reine Werkverträge......

  • Da sieht mann wieder den ach so sozialen Konzern Volkswagen . Das scheint aber nur für die eigenen Mitarbeiter zu gelten .Die Werkvertragler und die noch schlechter bezahlten
    Leiharbeiter bei diesen Firmen werden mit einem Hungerlohn abgespeist . Die Zeitarbeiter von Zag, Iperdi, Energetics ,Jobline Pl 24h und all den anderen Sklaventreibern werden garnicht erwähnt. Die machen die selbe Tätigkeit wie die Stammwerker ,für ein drittel der Vergütung .

  • Auf die Übernahme können Leiharbeiter getrost verzichten, wenn der Laden nur noch dank Sklaven schwarze Zahlen schreibt werden die Arbeiter bei Produktionseinbrüchen mangels Nachfrage sowieso die Segel streichen müssen. Nichts verkauft, kein Lohn heute wie damals genauso bitter wie wahr. Nur gleiches Geld für gleiche Arbeit, das würde Bares in die Taschen schwemmen, stattdessen kostenfreies Übernahmegesülze. Bei Airbus geht das seit Jahren, mit dem gleichen Geld, und siehe da - keine Rückrufaktionen, keine Dreamliner. Aber irgendwie leuchtet die Forderung des Betriebsrates ein, sie klingt gut und kostet NICHTS. Und so wird auch nichts passieren, wozu also die Jubelmeldung?

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