Bernhard Rücktritt steht bevor
Winterkorns erste Führungskrise

Wenn VW-Markenchef Wolfgang Bernhard den Wolfsburgern wohl heute noch von der Stange geht, schlittert der kommende VW-Vorstand Martin Winterkorn unversehens in seine erste Führungskrise. Denn nun muss er für den zweitwichtigsten Posten im Konzern einen Nachfolger aus dem Hut zaubern.

hz/HB WOLFSBURG. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard wirft nach Informationen aus Branchenkreisen die Brocken bei Europa größtem Autokonzern nach dem überraschenden Wechsel an der Unternehmensspitze hin. Bernhard werde voraussichtlich noch an diesem Donnerstag das Präsidium des Aufsichtsrats, der am Freitag die Ernennung von Audi-Boss Martin Winterkorn als Nachfolger von Bernd Pischetsrieder auf dem VW-Chefsessel bestätigen soll, über diesen Schritt informieren. Winterkorn steckt nun in der Bredouille, schnell einen Nachfolger präsentieren zu müssen.

Einem Bericht des „Manager Magazins“ zufolge hat Winterkorn kein Interesse daran, Wolfgang Bernhard im Konzern zu halten. Dies berichtet das Manager Magazin unter Berufung auf Branchenkreise. Würde Bernhard bei VW bleiben, hätte Winterkorn ihm nicht die Führung der neu formierten Markengruppe VW übertragen, sondern ihn zum Produktionschef des Konzerns gemacht, heißt es. Ein Wunschkandidat Winterkorns für die Führung der VW-Markengruppe sei Ex-Opel-Chef Carl-Peter Forster. Er war im Frühjahr in Medienberichten bereits als möglicher VW-Chef gehandelt worden.

Das Manager Magazin berichtet weiter, dass Martin Winterkorn zwei seiner wichtigsten Vertrauten von Audi mit nach Wolfsburg nehmen will. So solle Audi-Desingchef Walter de Silva den bisherigen VW-Chefdesigner Murat Günak ablösen. Ulrich Hackenberg, der die Gesamtentwicklung bei Audi verantwortet, solle Volkswagen-Entwicklungschef werden. Ob er dabei in den VW-Konzernvorstand aufrücke, sei noch unklar, heißt es in Branchenkreisen.

Bernhard zieht mit seinem Rückzug offenbar die Konsequenzen aus seinem angespannten Verhältnis zu Winterkorn und dessen neuer Führungsstruktur, die Bernhards Einfluss deutlich beschneiden würde. Pischetsrieder war am vorigen Dienstag überraschend abgelöst und als Nachfolger Audi-Boss Winterkorn ausgerufen worden. Winterkorn war schon seit längerem der Favorit von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der im Frühjahr aber zunächst mit dem Versuch gescheitert war, Winterkorn auf den Chefsessel zu hieven. Der VW-Aufsichtsrat hatte im Mai den Vertrag von Pischetsrieder um fünf Jahre verlängert. Winterkorn gilt als enger Vertrauter von Piëch, der mit dem Führungswechsel seine Machtposition weiter ausbaut.

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