Bertelsmann-Vorsprung schrumpft
Neue Tiefdruckfusion bahnt sich an

Wenige Wochen nach der Fusion der Tiefdruckereien des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann und des Berliner Printhauses Axel Springer bahnt sich eine neue Elefantenhochzeit an. Der kanadische Branchenriese Quebecor prüft die Übernahme des britischen Konkurrenten Polestar. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen.

DÜSSELDORF/HAMBURG. Durch die Verschmelzung würde Quebecor weltweit den Umsatz auf 7,5 Mrd. Euro steigern und seine Stellung auf dem europäischen Tiefdruckmarkt verbessern. Quebecor ist die Nummer zwei in der Welt und ist in Europa vor allem in Frankreich und Großbritannien aktiv. Die britische Polestar-Gruppe, deren Aufsichtsratschef der Karstadt-Vorstandschef Thomas Middelhoff ist, spielt weltweit nur eine kleinere Rolle und liegt in Europa auf Rang vier. „Ein Ausstieg ist auf Grund der Veränderung im Markt logisch“, sagte gestern ein Insider.

Nach Ansicht von Experten der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim ist die Entwicklung auf dem US-Markt Vorbild für die derzeitige Konzentrationswelle in Europa. In den USA ist die Konzentration auf dem Tiefdruckmarkt weit vorangeschritten. Bereits im November 2003 hatte der US-Branchenzweite RR Donnelley den Konkurrenten Moore Wallace geschluckt. Damit verdrängte RR Donnelley den Wettbewerber Quebecor von Platz Nummer eins in den USA und der Welt. In den USA beherrschen drei Unternehmen nahezu den gesamten Markt.

Die Druckkonzerne suchen ihr Heil in Fusionen, da der Markt durch einen harten Preiswettbewerb und sinkende Auflagen bei Zeitschriften und Werbebroschüren unter Ertragsdruck steht. Außerdem lahmt das Versandkataloggeschäft in wichtigen Märkten wie Deutschland.

Barry Hibbert, Vorstandschef von Polestar, hielt sich auf Anfrage bedeckt: „Wie alle Drucker bewerten wir derzeit unsere Marktposition neu, nachdem Arvato und Springer ihre Druckereien zusammengeschlossen haben.“ Gesellschafter Investcorp wollte sich nicht äußern. Offenbar ist der Ausstieg von Investcorp noch nicht in trockenen Tüchern. „Es liegen aber derzeit keine festen Vereinbarungen auf dem Tisch“, sagte Hibbert. Quebecor wollte zu den Spekulationen keinen Kommentar abgeben.

Durch die Übernahme würde Bertelsmanns neue Tiefdruck-Tochter Prinovis mit einem Umsatz von rund einer Mrd. Euro einen mächtigen Gegner bekommen. Bertelsmann hat die weitere Konzentration in Europa selbst provoziert. Die Gütersloher bauen in Liverpool eine der modernsten Tiefdruckereien in Europa. Bisher beherrschte Polestar den britischen Markt nahezu allein. „Die Fusion zwischen Polestar und Quebecor würde Sinn machen, da der Markt unter erheblichem Konsolidierungsdruck steht“, sagt Iris Schäfer, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg. „Die Konsolidierung wird sich europaweit fortsetzen“, bestätigte gestern Uwe Hack, Finanzchef beim Druckkonzern Schlott. Auch das Freudenstädter Unternehmen sucht nach Übernahmekandidaten, allerdings nur bis zu einem Kaufpreis von 200 Mill. Euro.

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