Beschäftigte skeptisch
Analysten feiern Siemens-Umbau

Die Analysten sind sich einig: Siemens geht mit der Abspaltung des größten Teils seines Kommunikationsgeschäfts den richtigen Weg. Die meisten Experten gehen davon aus, dass das Technologieunternehmen nach der Trennung langfristig mehr Gewinn macht. Zudem werde der Aktienkurs klettern. Nur die Beschäftigten kritisieren den Kurs von Konzernchef Klaus Kleinfeld, weil dadurch ein wichtiger Teil des Produktportfolios aus der Hand gegeben werde.

DÜSSELDORF / MÜNCHEN. Siemens hat am Montag angekündigt, sein Netzgeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem finnischen Telekomunternehmen Nokia einzubringen. Mit einem Umsatz von knapp 16 Mrd. Euro wird die Firma zu den drei weltweit größten Anbietern von Mobilfunknetzen, Festnetzen und damit verbundenen Dienstleistungen gehören. Von den derzeit rund 60 000 Stellen sollen bis zu 9 000 wegfallen.

Siemens hat es in den vergangenen Jahren nicht verstanden, seine Kommunikationssparte auf Vordermann zu bringen. Der Bereich hinkte dem Renditeziel des Konzerns weit hinterher. Dem raschen technologischen Wandel sowie dem Preisdruck durch die Kunden hielten die Münchener nicht Stand. Das könnte sich nach Ansicht von Analysten künftig ändern. „Das Gemeinschaftsunternehmen dürfte unter der operativen Führung von Nokia-Managern besser auf dieses Umfeld reagieren“, urteilten gestern die Experten der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Der Zusammenschluss ist nach Ansicht von Beratern auch deshalb sinnvoll, weil sich Nokia und Siemens gut ergänzen: Die Finnen sind Experten für Mobilfunknetze, während Siemens auch Know-how im Festnetz besitzt. Eine Kombination davon wird immer wichtiger, da Festnetz und Mobilfunk derzeit zusammenwachsen.

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass Siemens gleich zweifach von der Trennung profitiert. Einerseits könnte das Joint-Venture neue Werte schaffen. Andererseits sei Siemens ohne das angeschlagene Kommunikationsgeschäft mehr wert als bisher. Morgan Stanley erwartet, dass der Konglomeratsabschlag auf den Aktienkurs von zehn Prozent gegenüber Wettbewerbern jetzt sinken könnte. Das Institut hat deshalb gestern wie zahlreiche andere Banken sein Kursziel nach oben gesteckt. Morgan Stanley hält jetzt einen Kurs von 87 Euro für möglich, ein Plus von 30 Prozent gegenüber Dienstag.

Allerdings gibt es auch Kritik an dem Deal. Unter Siemens-Beschäftigten heißt es, mit der Trennung sei vor allem Kleinfelds Alles-aus-einer-Hand-Strategie nur noch halb so viel wert wie bisher. Seit seinem Amtsantritt vor 15 Monaten versucht der Siemens-Chef, die einzelnen Bereiche, die früher oft nebeneinander her gearbeitet haben, an einen Tisch zu bekommen. So sollen den Kunden Komplettangebote gemacht und damit Mehrwert geschaffen werden.

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