Beschäftigte sollen auf Dienstwagen, Reisen und sogar Urlaubstage verzichten
Finanzkrise zwingt Firmen zum Sparen

Die Finanzkrise zeigt Wirkung: Nach den Produktionskürzungen in der Autoindustrie beginnen nun auch andere Großunternehmen massiv ihre Kosten zu senken. SAP hat einen Einstellungsstopp verkündet, Henkel streicht Ausgaben für interne Weiterbildungsprogramme.

DÜSSELDORF/STUTTGART. Die Finanzkrise erreicht weitere Branchen in Deutschland. Nach den Produktionskürzungen in der Autoindustrie beginnen nun auch andere Großunternehmen damit, massiv ihre Kosten zu senken. Der Softwarekonzern SAP etwa nimmt nach einem Nachfrageeinbruch die Beschäftigten in die Pflicht: Der Walldorfer Konzern hat nicht nur einen Einstellungsstopp verkündet, sondern fordert die Mitarbeiter auch dazu auf, auf einen Teil ihres Urlaubes zu verzichten.

In einer internen E-Mail kündigte das Management an, genau zu prüfen, welche Dienstreisen und Neuanschaffungen unbedingt nötig seien. "SAP sieht offenbar dunkle Wolken am Horizont auf sich zukommen", kommentiert Branchenexperte Thomas Hofman von der Landesbank Baden-Württemberg. SAP-Chef Henning Kagermann hatte zu Wochenbeginn einräumen müssen, dass der Konzern seine ehrgeizigen Wachstumsziele für dieses Jahr nach einem massiven Auftragseinbruch Ende September wohl nicht mehr erreichen wird. Daraufhin war der Aktienkurs um 16 Prozent eingebrochen.

Die SAP-Vorstände selbst haben jeweils zehn Urlaubstage "gespendet" und an die Mitarbeiter appelliert, ihrem Beispiel zu folgen. Bei dem Urlaubsverzicht handele es sich aber um eine "freiwillige" Möglichkeit, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die Maßnahmen sind durchaus heikel, schließlich ist das Angebot an guten Fachkräften in der Softwarebranche nicht allzu üppig.

Wie SAP zieht der Chemie-Konzern Henkel bereits die Notbremse. Alle Aktivitäten, die nicht direkt im Zusammenhang mit Erträgen in den Henkel-Geschäften stünden, würden im vierten Quartal gestrichen oder zumindest verschoben, heißt es in einer E-Mail des Vorstands an die Mitarbeiter. Betroffen sind interne Weiterbildungsprogramme ebenso wie Reisen ohne Kundenbesuche, Weihnachtsessen oder Beratungsausgaben.

Zudem sollen die Investitionen in IT-Projekte soweit wie möglich eingefroren werden. In der momentanen Marktsituation müssten alle Unternehmen verschärft darauf achten, wo ihnen Kosten entstünden, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Konzerns.

Der bislang florierende österreichische Baukonzern Strabag durchforstet deshalb im Moment alle Kostenpositionen im Unternehmen. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Firmensprecher. Dienstautos, Reisen, Büromaterial - alles, was derzeit nicht wirklich gebraucht wird, soll gestoppt oder über einen längeren Zeitraum gestreckt werden.

Auch die Medienbranche schnallt den Gürtel enger: "Wir werden die Kostenstrukturen noch weiter überprüfen", sagte ein Sprecher des krisengeschüttelten Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 gestern. Eine genaue Zahl zur Höhe der geplanten Einsparungen wollte er aber nicht nennen. Vorstandschef Guillaume de Posch hat die Mitarbeitern bereits auf den verschärften Sparkurs eingeschworen: "Es ist dringend erforderlich, dass wir uns den neuen Gegebenheiten anpassen und Maßnahmen ergreifen, um die Umsatzeinbußen auszugleichen", schrieb er. Am 9. November wird die größte Sendergruppe in Deutschland ihre mit Spannung erwarteten Zahlen vorlegen. Die Aussichten werden angesichts der rückläufigen Werbeeinnahmen und der unsicheren Konjunkturentwicklung für alle Sender immer trüber.

Die sinkenden Anzeigenerlöse beuteln auch die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr. Das Hamburger Verlagshaus hat einen sofortigen Einstellungsstopp in Deutschland verhängt. Offene Stellen werden nicht wieder besetzt, die Mitarbeiter müssen auf Gehaltserhöhungen verzichten. Vorstand Bernd Buchholz, verantwortlich für das Deutschland-Geschäft mit seinen 4 000 Mitarbeitern, hat bereits die Chefredakteure und den Betriebsrat über die Sparmaßnahmen informiert.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte bereits zuvor wegen der Finanzkrise einen Einstellungsstopp verhängt, und wie der Zeitschriftenkonzern Burda Sparmaßnahmen eingeleitet. Die Verlage erwarten im Zuge der Finanzkrise eine weitere Abschwächung des Werbemarktes.

Instrumentarium der Sparkommissare

Urlaubstage

Urlaub dient zur Regeneration der Beschäftigten. Es gibt einen gesetzlichen Anspruch darauf. Einen Zwang zum Verzicht ohne Einwilligung des Beschäftigten ist nicht möglich. Allerdings kann der Arbeitgeber verlangen, dass der Urlaub auch im entsprechenden Kalenderjahr genommen wird.

Dienstwagen

Je größer das Unternehmen, desto größer ist der Hebel bei Einsparungen im Fuhrpark. Häufig geben Firmen einen Dienstwagen als Gehaltsbestandteil, ohne dass es eine ausreichende dienstliche Erfordernis dafür gibt. Wechsel zu einer preisgünstigeren Marke oder in eine niedrigere Fahrzeugklasse bringen schnell mehrere tausend Euro pro Fahrzeug. Allerdings haben Leasingverträge meist Mindestlaufzeiten, die einen vorfristigen Wechsel des Fahrzeugs teuer machen.

Reisen

Hier lassen sich durch Verzicht auf unternehmensinterne Reisen am schnellsten und einfachsten die Kosten senken. Anders sieht es allerdings aus bei Reisen der Außendienstmitarbeiter - die haben in der Regel unmittelbar mit dem Geschäft zu tun.

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