Beschäftigte wehren sich gegen Abspaltungen
Kein „Heavy Metal“ mehr bei Bosch

Bosch trennt sich immer häufiger von wenig rentablen Sparten. Tabus gibt es keine mehr, selbst bei einstigen Herzstücken des Stiftungskonzerns – wie den „Anlassern“, die auf 100 Jahre Firmengeschichte zurückblicken.
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GerlingenUngewohnte Töne auf der Schillerhöhe: 2000 Beschäftigte skandieren vor der Bosch-Firmenzentrale lautstark „Wir sind Bosch!“. Die geplante Trennung vom Kfz-Startergeschäft stößt bei den Beschäftigten des Stiftungskonzerns auf Unmut. Die Sparte mit ihren 6500 Mitarbeitern und 1,4 Milliarden Euro Umsatz weltweit soll verkauft werden – oder einen Partner zum Einstieg suchen.

Bosch hatte vor vier Wochen die Entscheidung bekannt gegeben. Gestern machten die Arbeitnehmer mobil. „Wir haben die Vorzugslösung, die ein Verkauf wäre“, sagte Personalchef Christoph Kübel nach einem Gespräch mit den Betriebsräten.

„Wir wollen nicht so mir nichts, dir nichts verkauft werden“, erklärte der Betriebsratschef von Starter und Generatoren, Stefan Störmer. Auf seinem T-Shirt ist eine Ansage gedruckt: „Wir sind Bosch und dafür kämpfen wir“. Es ist eine Anspielung auf das neue Leitbild: „Wir sind Bosch“, hatte Bosch-Chef Volkmar Denner erst in diesem Jahr eingeführt. Jetzt verwenden die Beschäftigten es gegen ihren Chef und rufen „Denner raus“, als nach den Gesprächen am Nachmittag klar ist, dass die Arbeitnehmervertreter mit ihrer Forderung nach Verbleib im Konzern abgeblitzt sind.

Als Teilerfolg nannte Betriebsratschef Alfred Löckle, dass die Gespräche ergebnisoffen geführt würden, und kündigte an, dass die Arbeitnehmer alternative Lösungen für das Geschäft präsentieren werden. Die Geschäftsführung hingegen will das Startergeschäft erst abspalten, um es dann leichter verkaufen zu können. Löckle kündigte an, dass die Arbeitnehmer sich gegen die Abspaltung wehren werden, gegebenenfalls mit einem kollektiven Widerspruchsrecht der Beschäftigten. „Wir lassen uns nicht die Katze im Sack präsentieren“, rief Löckle den Beschäftigten zu. Mit einer Entscheidung über die Abspaltung rechnet Löckle erst gegen Jahresende.

Für den Bosch-Konzern, der die Belange der Mitarbeiter traditionell stark berücksichtigt, ist die Auseinandersetzung ungewöhnlich hart. Vor zwei Jahren hatte der inzwischen abgeschlossene Verkauf der Solarsparte ebenfalls für Unruhe gesorgt. Aber da war Bosch in Neuland eingestiegen und auf die Nase gefallen.

„Diesmal ist die Auseinandersetzung noch konfliktionärer, weil es sich um das Herzstück von Bosch handelt. Keiner kann diesmal sagen, dass wir von Anlassern keine Ahnung haben“, betonte der Betriebsratschef. Elektrische Anlasser von Bosch ersetzten vor rund hundert Jahren die Kurbel am Auto. Aber diese Emotionen verfangen in der Geschäftsführung nicht. „Wir müssen auch das Wohl des Gesamtkonzerns im Blick haben“, sagte Kübel.

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