Beschäftigungssicherung
Betriebe halten Kurzarbeit nicht lange durch

Die massive Ausweitung der Kurzarbeit birgt Risiken für die Unternehmen. Trotz staatlicher Förderung bleiben bei den Betrieben Kosten in Milliardenhöhe hängen. Zudem gefährden Effizienzeinbußen nach Aussagen von Experten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.

dc/fo/mjh/sme DÜSSELDORF. Wirtschaftsexperten warnen mit zunehmender Dauer der Wirtschaftskrise vor den Kosten der Kurzarbeit für die Unternehmen. Allein die bei den Betrieben verbleibenden Personalkosten beziffert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei 1,1 Mio. Kurzarbeitern im Schnitt in 2009 auf 4,2 bis bis 6,2 Mrd. Euro. Laut Wirtschaftsprofessor Karlheinz Küting kommen Kapitalkosten für Zinsen und Abschreibungen hinzu, die auch bei nicht ausgelasteten Anlagen anfallen. Betroffen sind vor allem Branchen wie Automobil- oder Maschinenbau, die Kurzarbeit nutzen, um den Auftragseinbruch zu überbrücken. Langfristig drücke Kurzarbeit und halbleere Werkshallen auch wegen sinkender Effizienz die Produktivität, warnt Oliver Wyman-Berater Thomas Kautzsch.

Die Große Koalition hat als Reaktion auf die Krise die Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds auf 24 Monate verlängert. Zugleich senkte sie die Sozialabgaben: Ursprünglich mussten die Arbeitgeber für Kurzarbeiter den vollen Sozialabgabensatz zahlen, bezogen auf 80 Prozent des regulären Lohns. Nun ist es noch maximal der halbe Satz, vom siebten Monat an werden keine Sozialabgaben mehr auf das Kurzarbeitergeld erhoben.

Die bis Ende 2010 befristete Lockerung zeigt Erfolg: Die Arbeitslosenzahl sank im September um 125 000 auf 3,35 Mio. "Das ist ein in Europa einmaliger Vorgang", sagte der scheidende Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Er schlägt daher vor, die 24-monatige Bezugsdauer für Kurzarbeitergeld länger beizubehalten.

Die Lasten der Jobsicherung zeigen sich für die Unternehmen in den Lohnstückkosten. In der Industrie stiegen diese in den ersten beiden Quartalen um jeweils gut acht Prozent, mehr als in den Vorjahren. In der Metall- und Elektroindustrie stiegen sie sogar um 29 Prozent. Für Küting steht deshalb fest, dass Kurzarbeit "langfristig an die Substanz der Unternehmen geht", wenn keine Mindestauslastung der Produktion erreicht wird.

"Zwei Jahre Kurzarbeit zu finanzieren", warnt Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser, "kann sich kaum ein Betrieb leisten." Dabei hat das Instrument kurzfristig eine halbe Million Jobs gesichert. Doch jetzt droht Arbeitsplatzabbau, weil die Firmen die Kosten nicht länger tragen können.

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