Bessere Ergebnisse in Sicht
Neue Dynamik in der Pharmabranche

Die Halbjahresbilanz der Branche deutet an, dass sich die Unternehmen wieder erholen.

FRANKFURT/M. Nach zwei Jahren mit rückläufigen Wachstumsraten gewinnt die Pharmaindustrie offenbar wieder an Dynamik. In diese Richtung deutet die insgesamt positive Halbjahresbilanz der Branche. Die Mehrzahl der führenden Unternehmen hat im zweiten Quartal die Umsatz- und Gewinnerwartungen übertroffen.

Den jüngsten Beleg für den Trend lieferte gestern der Straßburger Aventis-Konzern, der seinen Nettogewinn im Kerngeschäft Pharma im zweiten Quartal um 19 % auf 603 Mill. Euro steigerte. Zwar war der Umsatz der Pharmasparte um 6 % auf knapp 4,2 Mrd. Euro gesunken, doch bereinigt um Währungseffekte legte er nach Angaben des Unternehmens um 6,9 % zu – und damit mehr als doppelt so stark wie im ersten Quartal. Für das Gesamtjahr stellt Aventis-Chef Igor Landau erneut ein hohes einstelliges Umsatzplus und eine doppelt so starke Ergebnisverbesserung in Aussicht.

Ähnlich wie bei Aventis hat sich auch bei einer ganzen Reihe anderer Pharmakonzerne das Umsatzwachstum im 2. Quartal deutlich beschleunigt, so etwa bei Bristol-Myers, Abbott, Roche, Amgen und der Darmstädter Merck-Gruppe. Andere große Anbieter wie Glaxo Smithkline oder Astra Zeneca verbuchten zwar schwächeres Wachstum oder sogar Umsatzrückgänge, doch haben sie zum Teil ebenfalls besser abgeschnitten als erwartet. Relativ gute Zahlen werden nun auch von Firmen wie Schering oder Altana erwartet, die ihre Ergebnisse erst in den nächsten Tagen publizieren.

Zwar bleiben die Unterschiede innerhalb der Branche erheblich, im Schnitt haben die großen Pharmahersteller nach unserer Schätzung jedoch währungsbereinigt noch um gut 7 % zugelegt, und damit das Wachstumstempo leicht gesteigert. Analysten sehen zudem Zeichen dafür, dass die Neuverschreibungen von Arzneimitteln auf dem wichtigen US-Markt wieder etwas stärker zulegen. „Dieser Trend dürfte im Jahresverlauf anhalten“, schätzen die Experten von Goldman Sachs.

Die „Wachstumsflaute“ im Pharmasektor fällt damit weiterhin sehr moderat aus. Daran ändert auch nichts, dass etliche etablierte Hersteller in den vergangenen Jahren den Ablauf wichtiger Patente verkraften mussten und gleichzeitig die Zahl der Neuzulassungen zurückgegangen war. Die jüngsten Quartalszahlen belegen einmal mehr, dass viele Produkte aus den 90er-Jahren ein größeres Marktpotenzial haben als erwartet. Bei Aventis zum Beispiel bringen die Medikamente Lovenox (gegen Thrombosen) und Taxotere (Krebs) weiterhin zweistellige Wachstumsraten. Selbst das Allergiemedikament Allegra legte im zweiten Quartal noch um knapp 9 % zu, obwohl ein vergleichbares Mittel von Schering-Plough im Vorjahr den Patentschutz verloren hat.

Andere Beispiele für Umsätze weit über den ursprünglichen Prognosen bieten die Cholesterinsenker von Pfizer und Merck & Co oder die neuartigen Krebsmittel, die in den letzten Jahren von Firmen wie Roche, Genentech oder Novartis auf den Markt gebracht wurden. Auch das häufig befürchtete „Innovationsdefizit“ der Branche erscheint in einem milderen Licht, nachdem die amerikanische Food and Drug Administration seit Herbst 2002 ihre Aktivitäten beschleunigt und seither eine ganze Serie von Neuzulassungen erteilt hat. „Mehreren Unternehmen sind seither einige starke Markteinführungen gelungen“, so der Morgan-Stanley-Analyst Jami Rubin. Eine Reihe weiterer umsatzträchtiger Neuentwicklungen – darunter Medikamente von Pfizer, Altana und Boehringer, befindet sich im Zulassungsverfahren oder kurz davor. Für den Cholesterinsenker Crestor von Astra Zeneca wird für Anfang August eine Genehmigung in den USA erwartet.

Der Aventis-Konzern kann zwar für das laufende Jahr nicht mehr mit wichtigen Zulassungen rechnen, will aber für drei Neuentwicklungen die Anträge stellen. Zudem hofft man Anfang 2004 endlich die, bereits mehrfach verzögerte, US-Zulassung für das Antibiotikum Ketek zu erhalten, das in Europa bereits vermarktet wird.

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