Bestechung
„Kein Geld oder teure Geschenke“

Wolfgang Plischke, promovierter Biologe, ist Vorstandsvorsitzender des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), der wichtigsten Lobbyorganisation der Branche. Hauptberuflich sitzt er im Vorstand des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer. Wo fängt für ihn Bestechung an?
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Handelsblatt: Herr Plischke, was unternehmen Sie gegen das schlechte Image der Pharmabranche?

Wolfgang Plischke: Da muss ich Ihnen widersprechen. Seit vier Jahren lassen wir Marktforschungsdaten erheben und sie zeigen einen positiven Trend. Die Bevölkerung erkennt klar, dass wir innovativ sind und das unsere Medikamente Nutzen und höhere Lebensqualität bringen.

Und was sagen Ihre Freunde und Bekannten, wenn Sie sich mit denen über Ihren Beruf unterhalten?

Sie fragen im Einzelfall schon kritisch nach: Was macht ihr denn da eigentlich?

Staatsanwälte ermitteln derzeit gegen etliche Pharmaunternehmen, auch gegen Mitglieder Ihres Verbands. Es geht darum, dass Medikamentenhersteller Ärzte mit Geschenken und Geld bestechen, damit sie die entsprechenden Medikamente verschreiben.

Unlauteres Verhalten lehnen wir ab. Für die Einhaltung einer ethisch korrekten Zusammenarbeit mit Ärzten hat unser Pharmaverband vor vier Jahren den Verein zur Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie, kurz FSA, gegründet. Im FSA-Kodex ist zum Beispiel klar geregelt, dass Ärzte kein Geld oder teure Geschenke von Unternehmen erhalten dürfen. Wer sich daran nicht hält, muss – wie auch schon geschehen – hohe Strafen zahlen und mit Veröffentlichung rechnen.

Vor dem FSA müssen sich die Unternehmen doch nicht fürchten. Der Verein darf nicht ermitteln. Die Namen der Sünder werden kaum einmal genannt. Und die Geldbuße von maximal 250 000 Euro dürfte auf die reichen Pharmakonzerne kaum abschreckend wirken.

Auch da irren Sie. Richtig ist, dass der FSA über keine staatsanwaltschaftlichen Kompetenzen verfügt. Aber unsere Geldbußen sind höher als die Strafzahlungen, die der Gesetzgeber für solche Fälle vorsieht. Der FSA bietet mittlerweile auch Hilfestellung, zum Beispiel durch Internet-Schulungen an, damit sich Pharmaunternehmen den Gesetzen und dem Kodex entsprechend verhalten. Seit der Gründung des Vereins hat die Beachtung ethischer Richtlinien in den Unternehmen einen viel höheren Stellenwert erreicht als noch vor Jahren.

Novartis und Ratiopharm sollen jahrelang Ärzte mit Geld geködert haben.

Das Verhalten ist noch nicht so, wie es sein sollte. Aber wir arbeiten daran. Der FSA ist ein Schwerpunkt in der Verbandsarbeit; hier werde ich mich auch persönlich engagieren. Und wir geben uns nicht mit dem zufrieden, was wir haben. Wir werden den Kodex weiterentwickeln.

Zum Beispiel?

Wir erarbeiten gerade einen Kodex für die ethisch korrekte Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen. Gemäß diesem Kodex werden wir beispielsweise künftig veröffentlichen, welche Pharmaunternehmen für welche Projekte welche Summen an Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen zahlen. Damit wären wir in Europa führend – in anderen Ländern ist diese Transparenz nicht vorgeschrieben.

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