Bestechung
Korruption ist bei Siemens nichts Neues

1992 wurden neun Siemens-Manager zu Gefängnisstrafen von zum Teil über drei Jahren verurteilt. Der Grund: Siemens-Mitarbeiter hatten einen Beschäftigten im Münchener Hochbauamt mit mehreren hunderttausend Mark bestochen. Der Fall liegt lange zurück, doch er zeigt: Korruption ist im Hause Siemens nichts Neues.

jojo MÜNCHEN. Als Richter Günter Bechert Anfang März 1992 sein Urteil in der Münchener Korruptionsaffäre verliest, da lässt er kein gutes Haar an Siemens. „Unbedingt und mit allen Mitteln“ hätte der Konzern versucht, einen wichtigen Auftrag für ein Klärwerk in der bayerischen Landeshauptstadt an Land zu ziehen. Dazu hätten Siemens-Mitarbeiter einen Beschäftigten im Hochbauamt mit mehreren hunderttausend Mark bestochen. Der städtische Angestellte bekam fast sieben Jahre Haft aufgebrummt, und neun Siemens-Manager mussten mit Gefängnisstrafen von zum Teil über drei Jahren büßen.

Der Fall liegt lange zurück, doch er zeigt: Korruption ist im Hause Siemens nichts Neues. Offenbar hat das Traditionsunternehmen aber aus der Affäre nicht die richtigen Schlüsse gezogen – trotz gegenteiliger Bekundungen. „Sie können sicher sein, dass wir alles tun, damit sich Dinge, wie sie in München passiert sind, nicht wiederholen“, sagte damals Heinrich von Pierer dem „Spiegel“.

Der zu jener Zeit 51-Jährige war da gerade zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen und sollte Konzernchef Karlheinz Kaske im Herbst 1992 beerben. Heute, 14 Jahre später, ist von Pierer Aufsichtsratschef und muss sich in der Öffentlichkeit erneut für den Sumpf in seinem Unternehmen rechtfertigen. Seine Worte von damals und heute ähneln sich. Am vergangenen Dienstag versprach er erneut, aufzuräumen: „Ich hoffe sehr, dass wir dem Spuk der Korruption ein Ende machen“, sagte von Pierer.

Eigentlich dürften schwarze Kassen und Schmiergelder schon seit Sommer 1991 kein Thema mehr sein. Denn seither müssen sich die Führungskräfte schriftlich verpflichten, die Grundsätze des Unternehmens einzuhalten.

Richter Bechert wies 1992 in seinem Urteilsspruch auf einen wichtigen Punkt hin, warum ein Konzern wie Siemens so anfällig für Korruption ist. So sprächen Firmenvertreter gerne vom „Haus Siemens“. Das gebe dem Konzern einen seriösen Anstrich, sagte Bechert, gerade so wie ein Unternehmen, „das sich nicht in den Niederungen des normalen Wirtschaftslebens aufhält, sondern nach Anspruch und Ethos etwas besonderes ist“. Besonders gefordert seien allerdings auch die Beschäftigten von Siemens. Sie stünden unter enormem Leistungsdruck. Wenn es dann um Vorzeigeprojekte wie ein modernes Klärwerk am Konzernsitz gehe, stünden die Leute unter enormer Spannung – und arbeiteten mit Schmiergeld und Bestechung.

Der damalige Konzernchef Kaske wollte die Schuld indes nicht allein auf seinen Mitarbeitern sitzen lassen: „Wir gehen davon aus, dass auch die an der Auftragsvergabe beteiligten öffentlichen Stellen durch adäquate Maßnahmen Vorgänge wie in München verhindern helfen“, ließ er damals mitteilen.

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