Bestechungsaffäre
Siemens-Manager schmierten auch am Bau

Noch eine Schmiergeldaffäre bei Siemens: Ein Ex-Manager der Sparte Gebäudetechnik hat vor dem Frankfurter Landgericht eingeräumt, Scheinrechnungen über mehrere Hunderttausend Euro ausgestellt zu haben. Er habe unter Druck gestanden, Schmiergelder zu zahlen, sagte der Angeklagte.

cha / Reuters MÜNCHEN. Ohne die Bestechung hätte er den Auftrag für die Betreuung von Räumen der Deutschen Bank in einem Frankfurter Wolkenkratzer zwischen 2001 und 2003 nicht bekommen. Siemens steht seit Monaten im Bann einer Reihe von Korruptionsskandalen. Im Zuge der Affären hatten Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und Konzernboss Klaus Kleinfeld ihre Posten geräumt. Am gravierendsten wiegt der Fall des Telefonbereichs Com, dort hatten führende Manager über Jahre ein System schwarzer Kassen etabliert. Bis heute hält Siemens mindestens 420 Mill. Euro an Zahlungen alleine aus dem Bereich Com für fragwürdig. Auch die amerikanische Börsenaufsicht SEC ermittelt, ein Team von Anwälten durchleuchtet die Bereiche von Siemens, der neue Konzernchef Peter Löscher rechnet mit einem „Marathonlauf“, vor dem Siemens noch steht.

In einem anderen Korruptionsfall wurden zwei Manager der Kraftwerkssparte im Mai zu Geldstrafen und Haft auf Bewährung verurteilt. Nach Ansicht des Darmstädter Landgerichts hatten sie im Kampf um Aufträge zwei Mitarbeiter des italienischen Stromkonzerns Enel mit sechs Mill. Euro bestochen. Gegen das Urteil legte Siemens Revision ein.

Vor dem Frankfurter Landgericht erklärte der beschuldigte ehemalige Siemens-Manager am gestrigen Dienstag, Vorteilsgewährungen am Bau seien „gang und gäbe“. „Entweder du kennst jemanden oder du bezahlst jemanden.“ Ein früherer Mitarbeiter der Deutsche Bank Asset Management ist im Zusammenhang mit den gezahlten Bestechungsgeldern bereits zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Der 44-jährige Ex-SBT-Manager schilderte dem Richter, dass rund ein Drittel der Beträge auf den gefälschten Rechnungen an die Personen gegangen seien, die diese auch verlangt hätten. Aber auch er selbst habe Geld für sich behalten, bis zu 40 000 Euro. Zudem habe er Einladungen zu Segelurlauben und Goldmünzen von seinen Geschäftspartnern angenommen. Der Angeklagte bekräftigte allerdings, seine Vorgesetzten hätten nichts von den illegalen Praktiken gewusst. Das Urteil wird für den 26. Juli erwartet. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einer Haftstrafe von etwa zwei Jahren.

Ein Siemens-Sprecher bestätigte, der Sachverhalt sei dem Unternehmen bekannt. Siemens habe daraus die Konsequenzen gezogen und das Arbeitsverhältnis bereits im Jahr 2003 beendet. Die Aussagen des Angeklagten wollte der Sprecher daher nicht kommentieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%