Bestechungsvorwürfe gegen Einkäufer
VW hat nun zwei Schmiergeld-Skandale

Nicht genug, dass Volkswagen seit einem Jahr von dem Skandal um „Lustreisen“ und Schmiergelder für Betriebsräte erschüttert wird. Nun stehen auch noch VW- und Audi-Einkäufer unter Bestechungsverdacht: Ein französischer Zulieferer soll für „Gefälligkeiten“ viel Geld gezahlt haben.

HB HAMBURG/WOLFSBURG. Wegen des Verdachts der Korruption beim VW-Konzern ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen zwei Einkaufsleiter von VW und einen Mitarbeiter der Tochter Audi. Alle drei Tatverdächtigen hätten von einem französischen Autozulieferer Schmiergelder von mehreren hunderttausend Euro für bevorzugte Auftragsvergabe erhalten, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Neben Geld – von 600 000 bis 800 000 Euro im Jahr ist die Rede – hätten die Männer im Alter zwischen 46 und 64 Jahren nach ersten Erkenntnissen auch Möbel und Urlaubsreisen angenommen.

Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft insgesamt gegen 20 Personen. Zwei Mitarbeiter des Zulieferers und ein Mitarbeiter des VW-Konzern seien in Untersuchungshaft genommen worden. Der Staatsanwalt nannte nicht den Namen des Zulieferers, laut Medienberichten handelt es sich dabei um den französischen Zulieferer Faurecia.

Volkswagen als geschädigtes Unternehmen unterstütze die Ermittlungen des Bundeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft „aktiv und mit allen Kräften“, sagte ein Konzernsprecher Details wollte er aber nicht nennen; auch zu einem möglichen Schaden schwieg er.

Der verdächtige Audi-Mitarbeiter soll nach Informationen des „Spiegel“ mindestens 160 000 Euro erhalten haben. Ein VW-Bereichsleiter soll Zahlungen von 139 000 Euro eingeräumt haben, die er in bar bekommen habe. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Beamten 70 000 Euro versteckt im Heizungskeller. Als Gegenleistung soll er den Zulieferer Faurecia bei der Vergabe von Aufträgen für die Innenausstattung von VW-Modellen bevorzugt haben. Auch Einkaufsmanager anderer Autokonzerne, die möglicherweise ebenfalls kassiert haben, müssen dem „Spiegel“ zufolge mit ihrer Enttarnung rechnen.

Faurecia macht Minus

Faurecia ist mit 11 Mrd. Euro Umsatz und 60 000 Beschäftigten einer der größten Zulieferer der Autoindustrie. Das Unternehmen will umfassend mit der deutschen Justiz zusammenarbeiten, „um Licht in die Sache zu bringen“. Das kündigte Faurecia-Chef Pierre Lévi am Montag in Paris bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen seines Unternehmens an. „Es ist im Interesse von Faurecia, dass diese Affäre völlig aufgeklärt wird.“ Bis zum Abschluss der Untersuchungen werde er aber keine weiteren öffentlichen Erklärungen abgeben.

Die Bestechungsvorwürfe sind ist nicht das einzige Problem, das Lévi hat: Wegen hoher Rohstoff- und Energiekosten, sinkender Autopreise und einer geringeren Autoproduktion hat im ersten Halbjahr einen unerwarteten Nettoverlust von 48,2 Mill. Euro verbucht. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch ein Plus von 34,5 Mill. Euro erwirtschaftet.

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