Bestell-Rückschläge
Airbus und Boeing müssen zurückstecken

Airbus verschiebt eine Auslieferung an den Großkunden Emirates, Boeing muss eine Abbestellung verdauen: Bei den großen Flugzeugbauern läuft es zum Jahresende nicht rund. Was auch an der Schwäche der Golf-Airline liegt.
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ToulouseDie Flugzeugbauer Airbus und Boeing haben beim Verkauf ihrer Flugzeuge Rückschläge erlitten. Der europäische Konzern teilte am Dienstag mit, er habe sich mit der Fluggesellschaft Emirates Airline auf eine spätere Auslieferung von Maschinen des Typs A380 geeinigt. Sechs Stück würden nun 2018 und damit ein Jahr später als ursprünglich geplant dem Kunden übergeben. Sechs weitere Flugzeuge werden statt 2018 im Jahr 2019 ausgeliefert. An seinem Ziel, 2018 etwa zwölf Maschinen des Typs A380 an Kunden zu übergeben, hält der Konzern fest. Weitere Kosteneinsparungen sollen dafür sorgen, dass das Erreichen der Gewinnschwelle 2017 nicht in Gefahr gerät.

Die Vereinbarung zwischen Airbus und seinem Großkunden Emirates kommt nicht überraschend. Die Golf-Airline hat den Wettbewerb in letzten Jahren angeheizt und leidet nun selbst darunter. So ist das Nettoergebnis von Emirates im ersten Halbjahr um 75 Prozent auf 214 Millionen US-Dollar eingebrochen. Der Umsatz gab trotz der um neun Prozent gestiegenen Passagierzahl leicht auf 11,4 Milliarden US-Dollar nach. Auch an Emirates geht der Preiskampf in der Branche nicht spurlos vorüber.

Wie der gesamten Branche macht auch der Fluggesellschaft aus Dubai mehrere Entwicklungen zu schaffen. Erstens herrschen im Luftverkehrsgeschäft zurzeit massive Überkapazitäten. Im Kampf um Marktanteile werfen die Airlines weltweit Angebot auf den Markt. Die Folge: Die Auslastung der Flugzeuge sinkt und damit auch die Profitabilität. Zweitens treffen diese Überkapazitäten auf eine sinkende Nachfrage, weil immer mehr Länder unter den geopolitischen Krisen leiden und beispielsweise Touristen ausbleiben. Drittens greifen zum Beispiel mit Norwegian in Europa oder Jet Blue in Nordamerika Billigfluggesellschaften im Langstreckenverkehr an, der bislang ausschließlich den Premiumanbietern vorbehalten war. Getrieben wird diese Entwicklung durch den zuletzt sehr günstigen Ölpreis, der Kampfpreise auch auf Langstreckenverbindungen möglich macht.

Das Umdenken in der Branche trifft nun die Flugzeugbauer. Mit der Ankündigung der verzögerten Auslieferung geht ein Jahr der schlechten Nachrichten für Airbus und sein Aushängeschild A380 zu Ende – 2016 konnte kein einziger Auftrag für den Riesenflieger abgeschlossen werden. Zwar hat Airbus noch insgesamt 120 Maschinen in den Büchern, doch seit fast drei Jahren wartet man in Toulouse auf einen neuen Großauftrag. Mittlerweile hat Airbus-Chef Tom Enders die Konsequenz gezogen: Ab 2018 werden nur noch zwölf A380 pro Jahr gebaut, halb so viele wie derzeit.

Zudem verstärkt der Konzern seine Bemühungen, ein eigenes Konkurrenzmodell schnell zur Serienreife zu bringen. Der als „Jumbo-Killer” bezeichnete A350-1000 hat in diesem Jahr seinen Erstflug absolviert. Bereits davor hatte Airbus fast 200 Bestellungen für die neuen Maschinen in seinen Büchern. Langstreckenflugzeuge wie der neue A350-1000 mit zwei Triebwerken und vielen Sitzplätzen ersetzen immer öfter klassische Jumbojets mit vier Motoren. Sie sind für die Fluggesellschaften kostengünstiger und flexibler einsetzbar.

Emirates ist der bei weitem größte Käufer der A380-Maschinen, mit mehr als 140 Flugzeugen des Typs. Boeing, der Airbus-Konkurrent aus den USA, musste sogar eine Abbestellung verkraften. Die amerikanische Fluggesellschaft Delta Airlines will 18 Maschinen des Typs 787-8 nicht mehr, die der 2008 übernommene Konkurrent Northwest Airlines bestellt hatte.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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