Beteiligung
Kommunen pokern mit EnBW um Verbundnetz Gas

Die kommunalen Aktionäre der Verbundnetz Gas (VNG) feilschen mit der Energie Baden-Württemberg (EnBW) über deren geplanten Einstieg beim ostdeutschen Gasgroßhändler. Generell würden sie einen Einstieg akzeptieren, aber nur wenn sich EmBW mit einer klaren Minderheitsposition zufrieden gibt. Doch der Energiekonzern will mehr Einfluss - und wartet ab.
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DÜSSELDORF. „Wir würden dem Engagement der EnBW zustimmen – aber nur, wenn der Anteil deutlich unter 40 Prozent liegen würde“, hieß es aus Kreisen der VUB Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft, in der zehn kommunale Aktionäre aus Ostdeutschland ihre VNG-Anteile gebündelt haben. EnBW kann sich das zwar prinzipiell vorstellen, fordert aber im Gegenzug strategischen Einfluss und will sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

EnBW hatte im Frühjahr vom bisherigen VNG-Aktionär, dem Oldenburger Regionalversorger EWE, eine Option auf dessen 48-Prozent-Beteiligung erworben. Da es sich um vinkulierte Namensaktien handelt, benötigt der neue Aktionär aber die Zustimmung einer Mehrheit der Anteilseigner – aber sowohl die Kommunen als auch der russische Branchenriese Gazprom und dessen deutscher Partner Wintershall stehen dem Einstieg kritisch gegenüber. Es seit nicht akzeptabel, dass EnBW so nahe an eine Mehrheitsposition heranrücke, hieß es aus Kreisen der VUB, die sich offiziell aber nicht äußern wollte.

Dass die Kommunen aber wenigstens einem reduzierten Anteil zustimmen würden, ist neu. Noch im Sommer hatte die VUB-Führung EnBW-Chef Hans-Peter Villis in einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, mitgeteilt, dass man zum einen an einem Konsortialvertrag nicht interessiert sei. Zum anderen seien „bislang keine Umstände eingetreten, die uns veranlassen, dem Einstieg der EnBW in den Aktionärskreis der VNG Zustimmung zu erteilen“.

Der Grund für die Verärgerung: Villis hatte versucht, die Mehrheit an VNG zu erlangen, indem er dem neutralen Aktionär GDF Suez ein Fünf-Prozent-Paket abkaufen wollte. Das hat der Gazprom-Konzern aber verhindert, indem er auf Vorkaufsrechte pochte.

Jetzt wird zwar weiter ein Konsortialvertrag abgelehnt, die VUB wäre aber ebenso wie offenbar Gazprom und Wintershall bereit, dem Einstieg zuzustimmen, wenn die Aktionärsstruktur ausbalanciert würde. Die VUB fordert weitere fünf Prozent, käme so auf über 30 Prozent und hätte Anspruch auf einen weiteren Aufsichtsratssitz. Gazprom will ebenfalls weitere fünf Prozent und bietet im Gegenzug Gaslieferungen.

Ein EnBW-Sprecher wollte die Avancen nicht kommentieren. In Unternehmenskreisen werden sie aber skeptisch bewertet. Es sei zwar eine Option, sich auch mit einem geringeren Anteil zufriedenzugeben. Dafür müssten aber verbindliche Angebote auf dem Tisch liegen, was EnBW im Gegenzug erhalten könne. Und das sei noch nicht der Fall.

EnBW wird deshalb vermutlich auf Zeit spielen. Man präferiere derzeit die Option, zunächst auf die Übernahme zu verzichten, das VNG-Paket vorerst bei EWE zu belassen und die Kaufoption zu verlängern, hieß es. EnBW würde so aus dem strategischen Dilemma kommen, dass die anderen Aktionäre zurzeit die Bedingungen für den Einstieg diktieren können. Das Unternehmen hofft, dass längerfristig doch einzelne kommunale Aktionäre ihre Anteile verkaufen könnten und EnBW so noch die Mehrheit erlangen würde. Zudem würde sich die Finanzlage des Energiekonzerns entspannen.

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