Beteiligungen und Übernahmen
In China wächst der Appetit auf deutsche Unternehmen

China interessiert sich zunehmend für deutsche Firmen. Geld für Übernahmen ist reichlich vorhanden und der Börsenabsturz bietet gute Möglichkeiten für einen Einstieg. Das Interesse an einigen Branchen ist besonders groß.
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DüsseldorfEs geht Schlag auf Schlag: Erst vergangene Woche hat sich der chinesische Staat über die State Administration of Foreign Exchange (Safe) mit 3,04 Prozent am deutschen Rückversicherer Munich Re beteiligt. Kurz zuvor hatte sich der chinesische PC-Riese Lenovo für umgerechnet 630 Millionen Euro die Mehrheit an Medion gesichert, jenem Unternehmen, das durch seine Aldi-Computer bekannt geworden ist. Er stieß damit in eine Lücke, die entstand, weil sich deutsche Unternehmen immer weiter aus dem Geschäft mit Heimelektronik zurückziehen.

Und der Appetit ist damit noch lange nicht gestillt: Das Reich der Mitte sucht seit der Herabstufung der amerikanischen Kreditwürdigkeit stärker als je zuvor nach Anlagealternativen zu US-Staatsanleihen - und findet sie in der deutschen Wirtschaft. Der jüngste Börsenabsturz hat deutsche Konzerne billiger und damit zu möglichen Übernahmezielen gemacht - auch und gerade für chinesische Staatsfonds. So sagte der Chef des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, vor wenigen Tagen in einem Interview: „China hat hohe Devisenüberschüsse. Das Land nutzt die günstigen Kurse, um bei uns auf Einkaufstour zu gehen.“

Jochen Gleisberg, Partner und Leiter des China-Desks bei der Strategieberatung Roland Berger, unterscheidet zwei grundsätzliche Beweggründe für chinesisches Engagement. Zum einen das Motiv Geldanlage, das er beispielsweise als Grund für den Einstieg bei der Munich Re ausmacht. Zum anderen gibt es Investitionen mit strategischer Absicht wie im Fall der Medion-Übernahme; bei letzteren erwartet Gleisberg „eine starke Zunahme“.

Der Übernahmehunger der Chinesen beschränkt sich dabei keinesfalls auf Heimelektronik. Ihr besonderes Interesse gilt auch deutschen High-Tech- und Chemiefirmen sowie Maschinenbauern. „Die Branche beobachtet das mit Argusaugen“, sagt Ulrich Ackermann, der die Abteilung Außenwirtschaft beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) leitet. Es komme immer mal wieder vor, dass chinesische Unternehmen deutsche Maschinenbauer übernehmen. Weil die Branche sehr mittelständisch geprägt ist, werde nicht einmal dem VDMA jeder Kauf bekannt. Ackermann sagt: „In der Regel verleiben sich dabei relativ große staatliche Unternehmen kleine deutsche Betriebe ein.“

In chinesischer Hand sind beispielsweise die Maschinenbauer Dürkop Adler aus Bielefeld, Waldrich aus dem bayerischen Coburg, Schiess aus Sachsen-Anhalt oder Assyst Bullmer sowie Emag aus Baden-Württemberg. Vensys, ein Entwickler und Hersteller von Windenergieanlagen, gehört seit einigen Jahren mehrheitlich Goldwind aus China.

Für viele dürfte es wohl überraschend sein, dass auch der Flughafen Schwerin-Parchim einen chinesischen Eigentümer hat: den Frachtdienstleister Link Global Logistics aus Peking. Eine kleinere Transaktion war der Kauf des deutschen Bohrer-Spezialisten HPTec durch den Rohstoffkonzern Minmetals.

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