Betriebsräte warnen Kurth
Arbeitnehmervertreter von Vattenfall fürchten Jobabbau

Der deutschen Stromwirtschaft droht als Folge niedriger Netznutzungsentgelte ein Verlust von Arbeitsplätzen. In einem Schreiben an den Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, warnt der Betriebsrat des drittgrößten Energieversorgers Vattenfall vor den negativen Folgen niedriger Netzentgelte.

HAMBURG / DÜSSELDORF. Kürzungen bei den Erlösen in der Größenordnung von 20 Prozent führen direkt zu weiteren Lohnsenkungen und zu Personalabbau“, heißt es. Der Betriebsrat der Vattenfall Europe Distribution befürchtet, dass in Norddeutschland 700 Stellen gestrichen werden. Er geht davon aus, dass Vattenfall den Erlösrückgang insbesondere durch Personalabbau wettmachen will, um das Ertragsniveau zu halten. „Vattenfall wird seine Renditeziele nicht senken, sondern versuchen, bei der Wartung der Netze zu sparen“, meinte ein Arbeitnehmervertreter. Ob es tatsächlich zu Stellenstreichungen kommt, wollte Vattenfall nicht bestätigen. „Wir warten noch auf die Gebührenbescheide für das Verteilnetz“, sagte ein Sprecher.

Inwieweit die Vattenfall-Konkurrenten Eon, RWE und EnBW mit einem verstärkten Jobabbau auf die Erlöseinbrüche im Netzbetrieb reagieren, steht noch nicht fest. Beim Düsseldorfer Eon-Konzern werden Stellenstreichungen aber nicht ausgeschlossen, heißt es in Unternehmenskreisen. Ein Eon-Sprecher sagte aber: „Es gibt keinerlei Entscheidungen über Personalmaßnahmen.“

Der Essener Konzern RWE will zwar auch mit forcierten Sparprogrammen die Erlöseinbußen im Netzgeschäft kompensieren, heißt es im Firmenumfeld. Aber ein Arbeitnehmervertreter sagte auf Anfrage: „Wir führen derzeit im Netzbereich keine Gespräche über einen Personalabbau.“

Vattenfall ist von der Kappung der Netzentgelte stärker betroffen als die Konkurrenz. Die Bonner Behörde hatte der Konzerntochter Vattenfall Europe Transmission in einem ersten Beschluss im Juni die Netzentgelte auf Hochspannungsebene um 18 Prozent gekürzt, bei Eon, RWE und EnBW waren es dagegen zwischen acht und vierzehn Prozent. Vattenfall beziffert die Umsatzeinbußen mit 115 Mill. Euro.

Die Netzagentur begründete die Kürzungen damit, dass sie einige Kostenpositionen, die Vattenfall angeführt hat, nicht in voller Höhe anerkennen könne. So seien die Kosten aus der Eigenkapitalverzinsung auf Investitionen zu hoch angesetzt. Auch die Einspeisung regenerativer Energien könne nicht so teuer gewesen sein wie behauptet.

Die Netzkosten, die Energiekonzerne sowie die kommunalen Versorger für die Durchleitung für Strom und Gas bisher verlangen dürfen, machen knapp 39 Prozent der Endpreise aus. Insgesamt kassieren Konzerne und Stadtwerke 20 Mrd. Euro im Jahr an Durchleitungsgebühren.

Vor allem die kleinen der insgesamt 700 Stadtwerke in Deutschland könnte eine massive Kappung der Netzentgelte in ernste Existenznöte bringen. Der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) rechnet damit, dass die Erlöse der Stadtwerke bundesweit um 15 bis 30 Prozent sinken, wenn sich die Regulierungsbehörde durchsetzt. Viele Bürgermeister und ihre Stadtwerkchefs sehen zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet. Zudem werden die Erlöse aus dem Stromgeschäft häufig zur Finanzierung etwa des Nahverkehrs genutzt.

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