Betriebsrat droht erneut mit Aktionen
GM verschiebt Schließung von Opel-Werk in Portugal

Die Beschäftigten des Opel-Werks im portugiesischen Azambuja können erst mal aufatmen: Der Autohersteller Opel hat die Entscheidung über eine mögliche Schließung des Montagewerks am Mittwoch verschoben.

HB RÜSSELSHEIM/AZAMBUJA. Wie Unternehmenssprecher Andreas Krömer in Azambuja berichtete, einigten sich Unternehmensleitung und Betriebsrat darauf, die Gespräche zur Zukunft des Werkes am Freitag fortzusetzen. Zuvor hatte sich der portugiesische Ministerpräsident José Socrates in die Verhandlungen eingeschaltet.

Ursprünglich war erwartet worden, dass Opel die Schließung des Werkes am (heutigen) Mittwoch verkünden würde. Vertreter von Gewerkschaften und dem Opel-Gesamtbetriebsrat hatten Protestaktionen an allen europäischen Standorten des Autoherstellers und seinem Mutterkonzern General Motors (GM) angekündigt, sollte Azambuja geschlossen werden.

Der Vorsitzende des Opel-Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, drohte in einem Interview mit dem Handelsblatt am Mittwoch, auch die beiden Werke im thüringischen Eisenach und im spanischen Zaragoza einzubeziehen, die gerade die für den Autohersteller wichtige Markteinführung des neuen Corsa-Modells vorbereiten.

Auch der Vorsitzende des Betriebsrats im Bochumer Opel-Werk, Rainer Einenkel kündigte Aktionen an, sollte Opel das portugiesische Werk dicht machen: „Was heute in Portugal geschieht, geschieht morgen in den anderen Astra-, Corsa- und Zafirawerken.“ Einenkel kündigte eine langwierige Auseinandersetzung mit GM an, an der sich alle europäischen Standorte beteiligen würden, auch das Bochumer Werk: „GM reagiert nicht auf Streicheleinheiten.“

Der Betriebsratsvorsitzende sagte, die Arbeitnehmervertreter hätten es hier mit einer „neuen Qualität der Auseinandersetzung“ zu tun. Nachdem General Motors erst vor wenigen Wochen im britischen Werk Ellesmere Port eine Schicht mit rund 950 Beschäftigten gestrichen habe, solle nun erstmals ein ganzes Werk „platt gemacht“ werden. In dieser Situation seien die Betriebsräte gezwungen zu handeln.

Die Arbeitnehmervertreter werfen der GM-Konzernführung vor, sie wolle die Autoproduktion in Westeuropa langfristig beenden und nach Osteuropa und Korea verlagern. Zu diesem Zweck sei General Motors derzeit dabei, neue Werke in Polen und Russland zu bauen und zu kaufen. Am Dienstag hatte GM-Konzernchef Rick Wagoner den Grundstein für ein neues Werk gelegt, das bis 2008 bei Sankt Petersburg fertig gestellt werden soll. Nach Darstellung des Konzerns wird das neue Werk allerdings ausschließlich für den russischen Markt produzieren.

Das portugiesische Werk in Azambuja baut Fahrzeuge vom Typ Opel Combo, im vergangenen Jahr rund 74.000 Einheiten. Das Werk ist nach Darstellung von GM im europäischen Vergleich zu teuer. Daher soll es geschlossen und die Produktion nach Zaragoza in Spanien verlagert werden. In Azambuja arbeiten derzeit rund 1.200 Opel-Beschäftigte.

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