Betriebsrat schließt Streik nicht aus
VW-Beschäftigte fordern vier Prozent mehr Lohn

Für die 100 000 Beschäftigten in den sechs westdeutschen Volkswagen-Werken will die IG Metall bei den bevorstehenden Tarifverhandlungen Einkommenserhöhungen von vier Prozent durchsetzen.

HB WOLFSBURG. Die große Tarifkommission der Gewerkschaft beschloss am Donnerstag in Hannover, mit dieser Forderung in die Mitte September beginnenden Gespräche über einen neuen Haustarifvertrag bei Europas größtem Autokonzern zu gehen. Außerdem will die IG Metall eine Arbeitsplatzgarantie für die Beschäftigten erreichen, die nach dem VW-Haustarifvertrag bezahlt werden. Der aktuell unter Absatzschwierigkeiten und einem erheblichen Gewinneinbruch leidende Autokonzern hat bereits einen Katalog von Gegenforderungen angekündigt, den Personalvorstand Peter Hartz am Montag in Wolfsburg vorstellen will. Ziel ist eine deutliche Reduzierung der Personalkosten in den kommenden Jahren. Die Standards des VW-Haustarifs liegen mehr als 20 Prozent über dem Niveau in der übrigen Metallindustrie. Zu der Gewerkschaftsforderung lehnte die VW-Konzernzentrale am Donnerstag einen Kommentar ab.

Betriebsrat schließt Streik nicht aus

Damit zeichnet sich eine harte Tarifauseinandersetzung bei VW ab. Betriebsratschef Klaus Volkert schloss einen Streik nicht aus. „Wir können gar nichts ausschließen, sonst haben wir ja nichts“, sagte Volkert der Nachrichtenagentur Reuters mit Blick auf die Durchsetzungsmöglichkeiten der Arbeitnehmer. Es sei ungewöhnlich, dass der Konzern wenige Wochen vor Beginn der Tarifverhandlungen seinerseits Forderungen aufstelle.

IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine sagte, die VW-Beschäftigten hätten Anspruch auf die gleichen Einkommenssteigerungen wie ihre Kollegen in der Metallbranche. Zwar sei die wirtschaftliche Lage von Volkswagen nicht gerade rosig. „Solange VW aber den Aktionären eine Dividende zahlen kann, haben die Beschäftigten Anspruch auf Teilhabe an den Gewinnen“, sagte Meine.

Hartz will am Montag ein mehrere Punkte umfassendes Programm präsentieren, mit dem der Autobauer seinen Sparkurs forcieren und den Einbußen durch die aktuelle Absatzkrise gegensteuern will. Wegen der schwachen Autokonjunktur und des nach Worten von Konzernchef Bernd Pischetsrieder miserablen Geschäftsverlaufs im ersten Halbjahr hatte Volkswagen unlängst seine Gewinnprognose für 2004 drastisch gesenkt. Statt der ursprünglich angepeilten 2,5 Milliarden Euro erwartet der Konzern ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von nur noch 1,9 Milliarden Euro.

VW will Konflikt wie bei Daimler vermeiden

Die Sparbemühungen sind Teil des Projekts „ForMotion“, mit dem der Konzern durch Optimierung seiner Abläufe in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Euro und im nächsten Jahr gut drei Milliarden Euro einsparen will. Zugleich sollen in dieser Tarifrunde bereits erste Schritte für die von Hartz mittel- bis langfristig angekündigten Personalkosteneinsparungen um 30 Prozent vereinbart werden. Dabei will der Konzern Konflikte wie jüngst beim Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler vermeiden. Daimler hatte sich im Juli nach von heftigen Protesten der Belegschaft begleiteten Verhandlungen mit der IG Metall auf Kostensenkungen mit einem Sparziel von 500 Millionen Euro jährlich verständigt. Im Gegenzug erhalten die rund 160 000 Mitarbeiter in Deutschland eine Beschäftigungsgarantie bis 2012.

Die IG Metall strebt bei VW neben Einkommenserhöhungen ebenso eine Sicherung der Arbeitsplätze und Standorte an. Eine solche Zusage des Arbeitgebers muss sich die Gewerkschaft in der Regel in Form von Lohnprozenten anrechnen lassen, so dass eine Tarifeinigung aus einem Paket aus mehreren Komponenten bestehen könnte.

Die Volkswagen AG will dagegen flexiblere Regellungen in ihrem Haustarifvertrag durchsetzen, um so im Wettbewerb mit den oft günstiger produzierenden Konkurrenten im Massenmarkt besser bestehen zu können. Teil der seit Wochen öffentlich diskutierten Überlegungen von Hartz, dem Architekten der Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung, ist eine stärker am Unternehmenserfolg orientierte Bezahlung sowie eine andere Überstundenregelung. Der Haustarifvertrag soll sich zudem stärker an dem Modell „5000 mal 5000“ orientieren, bei dem die VW-Beschäftigten beim Bau des „Touran“ nicht nach Stunden, sondern nach der Zahl der gebauten Autos bezahlt werden. Dadurch lässt sich der Touran zehn Prozent günstiger produzieren als der technisch ähnliche Golf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%