Betriebsrat
Streit über Sanierung von Opel eskaliert

Das Vertrauensverhältnis zwischen Opel-Chef Reilly und dem Betriebsrat ist allem Anschein nach tief zerrüttet. Während Reilly stets von 8300 Stellen spricht, die gestrichen werden müssen, glauben die Arbeitnehmervertreter nicht an diese Zahl. Es sollen deutlich mehr sein.
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FRANKFURT. Das neue Opel-Management bereitet sich angesichts des wachsenden Widerstands im Arbeitnehmerlager auf ein Scheitern der Sanierungsgespräche vor. Nach Informationen aus Konzernkreisen lotet das neue Management um Opel-Chef Nick Reilly bereits eine Sanierung des Autobauers ohne einen finanziellen Beitrag der Arbeitnehmer aus. Ein Opel-Sprecher wollte die Informationen nicht bestätigen. Offiziell pocht das Unternehmen weiter auf einen Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer.

Noch vergangene Woche hatte der Opel-Chef betont, dass er weiter mit dem Sanierungsbeitrag der Belegschaft von 265 Mio. Euro pro Jahr kalkuliere. Doch das Management arbeitet angesichts des eskalierenden Streits mit den Arbeitnehmervertretern intern an einem Plan B. Reilly zieht damit offensichtlich die Konsequenzen aus der wachsenden Gegenwehr der Arbeitnehmer. So ging der europäische Betriebsrat nach einem Gespräch mit dem Management hart ins Gericht mit den Sanierungsplänen. Die Pläne sähen vor, dass sich GM „nicht mit eigenen Beiträgen an der Restrukturierung“ beteiligen wolle, kritisierten die Betriebsräte.

Außerdem seien 2000 Jobs mehr durch die Sanierung gefährdet als bisher gedacht. So sollten allein in Deutschland rund 4 800 Stellen wegfallen und damit 800 mehr als bislang bekannt. Ein Opel-Sprecher widersprach jedoch der Darstellung. Auch in den Gesprächen mit dem Betriebsrat sei lediglich der bereits bekannte Stellenabbau von rund 8 300 der 48 000 Stellen in Europa genannt worden.

Der Ton zwischen IG Metall, Betriebsrat und Management wird damit zusehends rauer. IG-Metall-Chef Berthold Huber warf Reilly im Zusammenhang mit der angekündigten Schließung des Opel-Werks in Antwerpen Vertragsbruch vor. Ende Februar will die IG Metall auf einem Treffen in Brüssel mit anderen Gewerkschaften über Gegenmaßnahmen beraten, sagte Huber.

Dem Unternehmen läuft die Zeit davon

Reillys Hoffnungen haben sich damit zerschlagen, bereits Mitte Februar einen Abschluss mit den Arbeitnehmern über das Sanierungskonzept zu erzielen. Der europäische Betriebsrat machte weitere Verhandlungen von der Klärung noch zahlreicher offener Punkte abhängig. Reilly hat jedoch kaum Zeit für eine lange Auseinandersetzung. Denn Opel läuft die Zeit davon. Bereits Ende des zweiten Quartals droht das Unternehmen nach eigenen Angaben erneut in Liquiditätsschwierigkeiten zu geraten. Schon bald will Reilly deshalb einen erneuten Antrag auf Staatshilfe in Berlin für die 3,3 Mrd. teure Sanierung des Autobauers stellen. GM hofft, dafür knapp 2,7 Mrd. Euro von den europäischen Regierungen einzusammeln. Doch die Chancen, dass auch Deutschland seinen Beitrag leistet, sind zuletzt gesunken. Selbst Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hat die Hoffnung vorerst begraben.

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