Betriebsrat und Gewerkschaft im Zwielicht
Hintergrund: Die Macht der IG Metall bei VW

Bei den Arbeitern im VW-Stammwerk in Wolfsburg herrscht nach den Spekulationen über die Machenschaften des Ex-Betriebsratschefs Volkert Wut und Frust. Auch die IG Metall gerät in Kritik - doch den Austritt wagt keiner. Die Macht der Gewerkschaft ist bei VW ungebrochen.

HB WOLFSBURG. Grund sind immer neue Spekulationen um eine mögliche Verwicklung des zurückgetretenen Betriebsratschefs Klaus Volkert in die VW-Korruptionsaffäre. „Der hat unser Vertrauen missbraucht“, schimpft am Montag ein Arbeiter. „Die Kollegen haben einen dicken Hals“, berichtet ein Vertrauensmann der Gewerkschaft, der in der Produktion arbeitet: „Viele kommen zu mir und fragen: „Was hat Dein Chef da gemacht?“

Am Wochenende hatten Berichte über Volkert, der am Donnerstag überraschend seinen Hut genommen hatte, für Wirbel gesorgt. Volkert soll mit der Schlüsselfigur der Affäre, Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster, auf Kosten des Unternehmens in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Und: Volkert soll eine persönliche Beziehung zu einer Brasilianerin unterhalten haben, die für VW gearbeitet haben und möglicherweise zu Unrecht Leistungen bezogen haben soll.

Manche Arbeiter beklagen die Vergünstigungen, die Volkert als Betriebsratsvorsitzender erhalten habe. „Die werden verwöhnt, das musste ja so kommen“, sagt ein 45-Jähriger über die Betriebsräte bei VW. Ein 40 Jahre alter Arbeiter, der für VW Seitenteile des Golfs montiert, wettert: „Uns nehmen sie immer mehr Geld weg und Volkert hat sich die Taschen voll gestopft.“

Auch die IG Metall kriegt ihr Fett ab. Ihre Macht bei VW sei zu groß, für die Beschäftigen setze sie sich jedoch zu wenig ein, heißt es immer wieder. Die Gewerkschaft habe sich in den Tarifverhandlungen im Herbst vergangenen Jahres nicht ausreichend für die Belegschaft eingesetzt, heißt es.

Einen Austritt aus der Gewerkschaft kündigen jedoch nur wenige VW- Mitarbeiter an. „Man muss bei der IG Metall sein“, sagt ein 36 Jahre alter Arbeiter aus Halle 3. „Kollegen von mir hatten Schwierigkeiten bei Beförderungen, weil sie nicht in der Gewerkschaft waren“, berichtet er. Eine 52-Jährige, die in der werkseigenen Auto- Waschstraße arbeitet, berichtet, der IG-Metall-Ausweis sei früher Einstellungsvoraussetzung bei Volkswagen gewesen. „Das ist heute nicht mehr so, aber bei einem Abteilungswechsel, da hilft es schon immer noch.“

Für Unsicherheit unter Volkswagen-Arbeitern sorgt auch der vom neuen VW-Markenchef Wolfgang Bernhard angekündigte verschärfte Sparkurs. „Hier hat doch jeder Angst um den Arbeitsplatz. Und nun soll noch weiter gespart werden“, sagt ein Beschäftigter des VW- Kraftwerks. „Ob das mit Volkert jetzt noch so viel ausmacht, ich weiß es nicht.“ Ein Kollege ergänzt: „Die Stimmung war ohnehin schon beschissen.“

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