Betriebsratsangaben
RAG soll Degussa-Übernahme erwägen

Nach Angaben des Degussa-Betriebsrates erwägt RAG-Chef Werner Müller eine Komplettübernahme ihres Konzerns.

HB DÜSSELDORF. „In Essen werden Denkmodelle geschmiedet zur vollständigen Übernahme der Degussa“, sagte Degussa-Konzernbetriebsratschef Ralf Hermann am Mittwoch zu Reuters. RAG-Chef Müller habe die Arbeitsgemeinschaft der Betriebsräte im RAG-Konzern über die Möglichkeit informiert, durch eine Übernahme der Eon-Anteile die vollständige Kontrolle über das Düsseldorfer Spezialchemieunternehmen zu übernehmen. Wie weit diese Denkmodelle gediehen seien und ob dazu auch der in Presseberichten genannte Verkauf der Degussa-Bauchemiesparte gehöre, wisse er aber nicht, sagte Hermann, der auch Aufsichtsratsmitglied ist. Weder RAG noch Degussa wollten diese Angaben kommentieren.

Zuvor hatten Teile der Degussa-Belegschaft gegen eine Zerschlagung des Konzerns protestiert. Rund 1500 Mitarbeiter seien bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung am größten Produktionsstandort des Konzerns in Marl über die Position des Betriebsrates zu einem möglichen Verkauf der Sparten Bauchemie und Feinchemie informiert worden, sagte Hermann. Anschließend habe die Belegschaft vor dem Werkstor deutlich gemacht, dass sie eine Zerschlagung der Gruppe nicht tatenlos hinnehmen werde. „Wir haben ein Signal in Richtung derjenigen Industriekapitäne gesetzt, die bei der Degussa Sandkastenspiele vornehmen und sich Pläne zur Zerschlagung ausdenken,“ sagte Hermann.

In Presseberichten war in den vergangenen Tagen darüber spekuliert worden, dass die RAG einen Verkauf der Degussa-Bauchemie oder der Feinchemie anstrebe, um damit einen Teil des Kaufpreises für die Komplettübernahme zu finanzieren. Der Essener Konzern hält derzeit 50,1 Prozent an der Degussa, Eon kontrolliert rund 43 Prozent, die der Konzern aber bis Mitte 2007 vollständig abgeben muss. Eon-Chef Wulf Bernotat hat den Eon-Aktionären bereits die Ausschüttung einer Sonderdividende für 2006 aus dem Verkauf der Beteiligung versprochen.

Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht hatte Anfang November angekündigt, im Rahmen einer Studie des Unternehmensberaters Boston Consulting Group seien „größere strukturelle und personelle Veränderungen“ nicht ausgeschlossen. Zugleich hatte das Unternehmen aber erklärt, eine Trennung von der Bauchemie sei für den Degussa-Vorstand bislang nie ein Thema gewesen.

„Die Bauchemie ist ein wichtiger Ergebnisträger, der für Investitionen auch in anderen Bereichen gebraucht wird,“ hob der Degussa-Betriebsratschef hervor. Die Belegschaft habe auch große Sorgen bei einer möglichen Trennung von der Feinchemie, weil dies erhebliche Auswirkungen auf die Standortstrukturen von Degussa in Deutschland hätte. Der Aufsichtsrat will am 13. Dezember über die Studie der Boston Consulting Group und einen daraus womöglich folgenden Konzernumbau beraten.

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