Betriebsratschef Osterloh

VW muss seine Macht dezentralisieren

Europas größte Automarke steht vor größeren Umbrüchen. Betriebsratschef Bernd Osterloh forciert den Umbau. Er fordert einen Strukturwandel bei Volkswagen. Dabei soll es nicht nur um Konzernabläufe gehen.
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Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen fordert einen Strukturwandel bei VW. Quelle: dpa
Bernd Osterloh

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen fordert einen Strukturwandel bei VW.

(Foto: dpa)

WolfsburgVW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh hat seine Forderung nach einer Dezentralisierung der Macht in dem zwölf Marken zählenden Autoreich bekräftigt. „Natürlich braucht ein Konzern dieser Größenordnung Zentralität, um Synergien zu heben. Aber gleichzeitig müssen wir im Sinne der Marken und Regionen so dezentral wie möglich agieren“, sagte der VW-Aufsichtsrat dem „Manager Magazin“ (Freitag).

Ein Beispiel für ein gut geöltes System mit viel Verantwortung auch fern von Wolfsburg sei China – der Erfolgsmarkt des Konzerns. „Wir brauchen keinen riesigen Vorstand mit aufgeblähten Stäben. (...) Das müssen wir uns für jede Funktion fragen“, sagte Osterloh – schränkte aber ein: „Wir sprechen zunächst über Funktionen und Strukturen; um Personen wird es erst später gehen.“

Neben Bereichsverantwortlichen wie einem Finanzchef gehörten die wichtigsten Markenchefs in den Konzernvorstand sowie der Chef der neuen Truck-Holding, Andreas Renschler. Derzeit zählt der Führungszirkel neun Top-Manager – mit dem neuen Chef der Kernmarke VW-Pkw, Herbert Diess, werden es ab Juli zehn sein. Diess kommt von BMW, wo er zuletzt Produktionsvorstand war.

Der neue Clan um Winterkorn
Berthold Huber
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Der neue Interims-Aufsichtsratschef von Volkswagen: Der ehemalige Vorsitzende der IG Metall die Arbeitnehmer im Gremium an. Bislang hegte der Aufsichtsrat ein vertrauensvolles Verhältnis zu Vorstandschefs Winterkorn, so stellte er sich im April gegenüber Spiegel Online hinter ihn. „Wir haben mit Herrn Winterkorn einen hervorragenden Automobilisten und Vorstandsvorsitzenden, der unser vollstes Vertrauen hat“, sagte Hubert.

VW-Aufsichtsrat
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Im VW-Aufsichtsrat, der über Winterkorns Zukunft entscheidet, sitzen zehn Arbeitnehmervertreter und zehn Arbeitgebervertreter. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.

Julia Kuhn-Piëch und Louise Kiesling
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Die zwei neuen Frauen im Aufsichtsrat. Julia Kuhn-Piëch ist Immobilienmanagerin und bereits Mitglied des Aufsichtsrats der MAN Nutzfahrzeuge Gruppe. Kiesling ist Geschäftsführerin diverser Unternehmen, unter anderem von der Textilmanufaktur Backhausen. Die beiden nehmen den Platz von Ursula und Ferdinand Piëch ein, die vor kurzem ihr Amt niedergelegt hatten. Der Grund dafür war ein laut eigenen Aussagen unüberbrückbarer Konflikt um VW-Chef Martin Winterkorn.

Hussain Ali al-Abdulla
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Al-Abdulla ist Vertreter des Emirats Katar. Der Staat am Persischen Golf hält über die Gesellschaft Qatar Holding insgesamt 17 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Zu den aktuellen Vorgängen gab es keine direkten Äußerungen von ihm. Diskretion zeichnet den Anker-Aktionär aus.

Stefan Weil
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In der Öffentlichkeit präsent ist hingegen das Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Stimmrechte an VW hält. „Diskussionen dieser Art sind in jedem Fall schädlich für das Unternehmen“, sagte Ministerpräsident Weil zum Machtkampf. „Wenn man etwas zu besprechen hat, dann sollte man das intern tun. Die Vertreter des Landes Niedersachsen werden sich nicht an einer öffentlichen Diskussion beteiligen.“ Das war zumindest kein weiterer Dolchstoß für Winterkorn.

Olaf Lies
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Der Wirtschaftsminister Niedersachsens ist der zweite Vertreter des Landes im Aufsichtsrat. Er stärkte ebenfalls Winterkorn den Rücken. „Wir schätzen die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn sehr. (...) Ich sehe der Ankündigung durch Herrn Piëch auch aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat sehr gelassen entgegen.“ Das bedeutet, dass das Land Niedersachsen sich bei einer Kampfabstimmung auf die Seite der Arbeitnehmer schlagen könnte.

Wolfgang Porsche
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Die Familien Porsche und Piëch halten über die Porsche Automobil Holding SE die Mehrheit am Volkswagen-Konzern. VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche (l.) distanzierte sich von seinem Cousin Piëch. Damit drohte ein Konflikt zwischen den Familien Porsche und Piëch. „Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist“, ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie ausrichten.

„Er muss zulassen, dass mehr Entscheidungen in den Märkten getroffen werden“, sagte Osterloh über seine Erwartungen an Diess, der die Führung der VW-Hausmarke von Konzernboss Martin Winterkorn übernimmt.

Winterkorn wird am Wochenende 68 Jahre alt. Er war im April als Sieger aus einem Machtkampf mit dem damaligen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (78) hervorgegangen. Der VW-Chefkontrolleursposten ist seither vakant. Zur Nachfolgersuche, bei der Winterkorn selbst als Kandidat gilt, sagte Osterloh: „Wir werden uns in den nächsten Wochen zusammensetzen und gemeinsam offen und sachgerecht über den Aufsichtsratsvorsitz diskutieren.“ Vorentscheidungen gebe es keine.

  • dpa
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