Betriebsrente
Teure Pensionäre

Der tiefe Fall der Aktienkurse und die historisch niedrigen Zinsen reißen riesige Löcher in betriebliche Pensionskassen. Am härtesten trifft dies Unternehmen in den USA, Japan und Großbritannien. Hier sind die betrieblichen Rentenkassen die Hauptstütze der Altersversorgung. Die müssen sie nun stopfen - ausgerechnet in einer Zeit, in der Geld so knapp ist wie lange nicht mehr.

LONDON/NEW YORK/TOKIO/FRANKFURT. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Watson Wyatt Heissmann sind die Altersvorsorgevermögen 2008 weltweit um fast ein Fünftel geschmolzen. In den elf bedeutendsten Ländern sanken sie auf gut 20 Billionen Dollar. Zugleich stiegen die Pensionsverpflichtungen. Konsequenz: Die Deckungsquote sank um knapp 30 Prozent - sie zeigt an, in welchem Maß die Rentenverpflichtungen durch Kapitalanlagen gedeckt sind.

"2008 hat gezeigt, dass die Kapitalmärkte die größte Herausforderung für die betrieblichen Pensionspläne bedeuten", sagt Torsten Köpke, Leiter der Anlageberatung bei Watson Wyatt Heissmann. Ein großer Teil des Vermögens ist nach wie vor in Aktien angelegt. Thomas Japser, Vorstand bei der Beratungsfirma Rauser Towers Perrin (RTP), schätzt, dass die Rentenverpflichtungen von US-Firmen nur noch zu knapp zwei Dritteln mit Vermögen gedeckt sind, in Großbritannien noch zu etwa 80 Prozent und in Japan nur noch zur Hälfte.

In den USA haben die Rentenkassen der Firmen im S&P- 1500-Index im vorigen Jahr 469 Mrd. Dollar (366 Mrd. Euro) Verluste gemacht, errechnete die Beratungsfirma Mercer. "Das ist der dramatischste Einbruch, den es je gab", sagt Adrian Hartshorn von Mercer. Die Folge ist eine bedrohliche Unterkapitalisierung: Die Fonds hatten zum Jahresende 2008 ein Vermögen von 1,21 Billionen Dollar, aber Zahlungsverpflichtungen von 1,62 Billionen.

Besonders hart trifft die Entwicklung Branchen, die ihren Rentnern in guten Jahren großzügige Zusagen machten - etwa Pharma, Energie und Autoindustrie. Allein der Pensionsplan von General Motors ist Schätzungen zufolge um 20 Mrd. Dollar und damit um 20 Prozent unterkapitalisiert, der von Chrysler um neun Mrd. Dollar oder 34 Prozent.

Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, Kapital nachzuschießen. Doch das hätte in der gegenwärtigen Rezession große Konzerne in den Ruin getrieben. Darum setzte Ex-Präsident George W. Bush noch im Dezember diese Vorschrift aus.

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