Betrügerische Pharmapreise: US-Regierung klagt gegen Boehringer

Betrügerische Pharmapreise
US-Regierung klagt gegen Boehringer

Der Pharmakonzern Boehringer kommt wegen seiner Preispolitik in der Schusslinie des US-Justizministeriums. Kein Einzelfall: In den Staaten laufen hunderte Verfahren wegen überhöhter Preisen für Medikamente. Auch Merck hat Rückstellungen gebildet.

FRANKFURT. Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim ist mit seiner amerikanischen Tochterfirma Roxane ins Visier der US-Regierung geraten. Das Justiziministerium wirft dem Unternehmen vor, überhöhte Preise gegenüber den staatlichen Gesundheitsversicherungen Medicare und Medicaid abgerechnet zu haben. Es ist daher einer Klage gegen Roxane beigetreten, die bereits seit längerem läuft.

Für Boehringer ist damit die Gefahr gewachsen, dass das Unternehmen, ähnlich wie zuvor bereits eine Reihe anderer Pharmakonzerne, hohe Straf- oder Schadensersatzzahlungen leisten muss. Insgesamt geht es laut US-Justizministerium bei Roxane um Abrechnungen seit 1996 und um Umsätze von mehr als 500 Mill. Dollar. Teilweise seien für die betreffenden Produkte zehnfach überhöhte Preise abgerechnet worden, so der Vorwurf. Welches Schadensvolumen konkret unterstellt wird, lässt das Ministerium indessen offen.

Boehringer Ingelheim, mit zuletzt 9,3 Mrd. Euro Umsatz der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern, hält den Vorwürfen entgegen, Roxane habe im Zusammenhang mit Medicaid stets alle Regeln eingehalten und vielmehr sogar Millionen an Rabatten gewährt. Es gehe letztlich um ein Verfahren, das bereits seit fast zehn Jahren laufe. Man sei enttäuscht, dass das US-Justizministerium diesem Verfahren nun beigetreten sei.

Ob und inwieweit Rückstellungen für den Fall gebildet wurden, wollte ein Sprecher des Unternehmen nicht kommentieren. Roxane ist auf die Herstellung patentfreier Nachahmer-Medikamente spezialisiert und erzielte 2005 einen Umsatz von 241 Mill. Dollar (umgerechnet 194 Mill. Euro).

Verfahren wegen betrügerischer oder überhöhter Preisangaben sind in der US-Pharmabranche an der Tagesordnung, seit das Justizministerium den Kampf gegen den so genannten Gesundheits-Betrug („healthcare fraud“) zu einer Priorität erhoben hat. Informanten aus den Unternehmen („whistleblower“) spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Sie können aufgrund eines speziellen US-Gesetzes bis zu 30 Prozent der Straf- oder Vergleichszahlungen erhalten. Aufhänger für Klagen sind dabei meist Vorschriften, wonach Hersteller gegenüber staatlichen Versicherungen Medicare und Medicaid den jeweils günstigsten Großhandelspreis einräumen müssen.

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