Betrug bei Fusion vorgeworfen
Daimler-Chrysler gewinnt Prozess gegen Kerkorian

Der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler hat im Prozess um die Milliardenklage des US-Investors Kirk Kerkorian in allen Punkten gewonnen.

HB WILMINGTON. Kerkorian und seine Investmentgesellschaft Tracinda hätten nicht nachweisen können, dass sie bei dem Zusammenschluss von Daimler-Benz und Chrysler 1998 betrogen worden seien, befand Richter Joseph Farnan am Donnerstag in Wilmington (US- Bundesstaat Delaware). Deshalb entscheide das Gericht „in allen Punkten“ zu Gunsten von DaimlerChrysler.

DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. „Wir freuen uns, dass das Gericht mit seiner Entscheidung ein für alle Mal bestätigt, dass der Tracinda-Fall jeder Grundlage entbehrt und dass alle Forderungen gegen DaimlerChrysler im Zusammenhang mit der Fusion völlig grundlos sind“, hieß es in einer Stellungnahme Schrempps, die DaimlerChrysler in New York in englischer Sprache veröffentlichte. Die Anwälte von Tracinda waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Kerkorian (87) hatte den Konzern auf mehrere Milliarden Dollar verklagt. Er beschuldigte die Daimler-Benz-Seite, den Zusammenschluss mit Chrysler von Anfang an als Übernahme geplant, aber als Fusion unter Gleichen kaschiert zu haben. Bei einer Übernahme hätte ihm aber als damals größtem Chrysler-Aktionär ein höherer Aufschlag auf den Aktienpreis zugestanden. Richter Farnan befand in seinem 123 Seiten langen Urteil aber, der Begriff „Fusion unter Gleichen“ sei nicht irreführend benutzt worden. Alle angeblichen Beweise, die Kerkorian dafür vorlegte, wies er zurück.

So sei in der Fusionsvereinbarung zwar festgelegt gewesen, wie viele Leute von beiden Seiten zunächst in Vorstand und Management sitzen sollten. Wie lange das so bleiben solle, sei aber nicht festgelegt gewesen. Folglich sei die Tatsache, dass später mehr ehemalige Daimler-Benz-Mitarbeiter als Chrysler-Mitarbeiter in führenden Positionen saßen, kein Beweis dafür, dass der Zusammenschluss in Wirklichkeit eine Übernahme war. „Weder in der Fusionsvereinbarung noch in irgendeinem anderen Dokument werden die Nationalitäten oder die Herkunft der Mitglieder des obersten Managements vorgeschrieben“, hielt der Richter fest.

In dem insgesamt 13-tägigen Prozess vor dem Bezirksgericht in Wilmington waren Dutzende Zeugen aufgetreten. Schrempp musste gleich zwei Mal aussagen: im Dezember 2003 und erneut im Februar vergangenen Jahres, nachdem DaimlerChrysler eingeräumt hatte, der Klägerseite 60 Seiten Dokumente vorenthalten zu haben. Kerkorian war auch im Zeugenstand, konnte sich aber an viele Details aus Gesprächen und Verhandlungen oft nicht erinnern.

„Die Lektion ist klar: die Gesetze schützen Otto Normalverbraucher, wenn er investiert, aber nicht so gewiefte Leute wie Kerkorian, die die nötigen Mittel haben, Unternehmen und Transaktionen unter die Lupe zu nehmen, ehe sie sich engagieren“, sagte der New Yorker Anwalt Robert Zito der Wirtschaftsagentur Bloomberg.

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