Betrugsvorwürfe Siemens droht Ärger aus China

Der Korruptionsskandal liegt nicht weit zurück, nun droht Siemens wieder Ärger. Laut Berichten soll der Konzern chinesischen Vertriebspartnern frisierte Zahlen vorgelegt haben. Siemens reagiert umgehend auf die Vorwürfe.
2 Kommentare
Dunkle Machenschaften bei Siemens. Zeitungsberichten zufolge soll der Konzern chinesische Vertriebspartner betrogen haben. Quelle: dpa
Siemens

Dunkle Machenschaften bei Siemens. Zeitungsberichten zufolge soll der Konzern chinesische Vertriebspartner betrogen haben.

(Foto: dpa)

Frankfurt/ShanghaiSiemens geht dem Verdacht auf frisierte Umsatzzahlen in China nach. Nachdem Vertriebspartner sich in der örtlichen Wirtschaftszeitung „Yicai“ über unlautere Praktiken beklagt haben, prüft der Konzern die Anschuldigungen. Dem Bericht zufolge hat die Medizintechniksparte der Münchner mit den Vertriebspartnern Verträge abgeschlossen, die tatsächlich nicht mit wirklichen Umsätzen unterlegt waren. Die Vertriebspartner hätten zehn Prozent des Volumens gezahlt, was Siemens erlaubt habe, die Geschäfte zu verbuchen. Die Differenzen seien dann anderweitig ausgeglichen worden, berichtet „Yicai“. „Das war gängige Praxis und dazu gedacht, sich gegenseitig auszuhelfen“, zitiert das Blatt einen nicht näher genannten Vertriebspartner.

Wir respektieren und wahren Integrität und Fairness gegenüber unseren Geschäftspartnern. Daher widmet Siemens den in den Medien thematisierten Punkten einiger unserer Vertriebspartner eine hohe Aufmerksamkeit und hat bereits interne Untersuchungen eingeleitet“, reagierte das Unternehmen am Montag auf die Anwürfe. „Siemens achtet auf mit höchster Sorgfalt auf vorbeugende Maßnahmen gegen unlauteren Wettbewerb und jedes andere unangemessene Geschäftsgebaren. Es ist unser fester Grundsatz, ausschließlich saubere Geschäfte zu machen.“

Was mal alles Siemens war
Siemens will sechs Milliarden Euro sparen
1 von 14

Siemens Hausgeräte

Die bekannten Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Staubsauger mit dem Siemens-Logo stammen in der Regel vom Gemeinschaftsunternehmen Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), das bereits seit 1967 existiert. Im Jahr 2013 stieg der BSH-Umsatz um 7 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich Siemens aus dem Geschäft ganz zurückgezogen und die Anteile für drei Milliarden Euro an den Partner Bosch verkauft.

Siemens Gamesa
2 von 14

Das Geschäft mit Windturbinen hat Siemens im Jahr 2016 mit der spanischen Firma Gamesa zusammengelegt zu „Siemens Gamesa“. An der neuen Gemeinschaftsfirma hält Siemens 59 Prozent.

Im November 2017 besuchte die britische Königin Elizabeth ein Werk des Unternehmens in Kingston upon Hull (Bild).

Siemens Hörgeräte
3 von 14

Die Hörgerätetochter wollte Siemens ursprünglich an die Börse bringen. Nun verkauft der Konzern sie für 2,15 Milliarden Euro. Die neuen Eigentümer sind der schwedische Finanzinvestor EQT und die Hexal-Gründerfamilie Strüngmann. Sollte sich das Geschäft gut entwickeln, bekommen die Münchner über einen Besserungsschein noch einen Nachschlag. Siemens bleibt mit 200 Millionen Euro Vorzugskapital an der traditionsreichen Tochter beteiligt.

Osram
4 von 14

Osram

„Licht ist Osram“, lautet der Werbespruch von Osram. Von 1978 bis 2013 gehörte der Hersteller zu Siemens, dann brachte der Mutterkonzern die Tochter an die Börse. Die Siemens-Aktionäre wurden beteiligt. Der Markt ist jedoch im Umbruch, die Preise für LED-Leuchten sind wegen der großen Konkurrenz unter Druck. Der Hersteller fährt deswegen einen Sparkurs und streicht Stellen.

Gigaset bilanziert zweites Quartal
5 von 14

Gigaset

Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen hat Siemens im Jahr 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft, der seit 2011 als Gigaset AG firmiert. Ein Streit über den Verkaufspreis zog sich bis weit in das Jahr 2010 hin, Siemens verzichtet schließlich wohl auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

huGO-BildID: 8061727 ** ARCHIV ** Ein Stopschild ist am 28. Sept. 2006 in Kamp-Lintfort an einer Produktionshalle des Handy-Herstellers BenQ zu sehe
6 von 14

Siemens Mobile

Der Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanischen Elektronikkonzern 2005 war für Siemens ein unrühmliches Kapitel. Das Rennen mit Branchengrößen wie Nokia konnte Siemens nicht mithalten, doch auch unter den neuen Besitzer hatte das Unternehmen keine Zukunft. Die Firma mit etwa 7000 Mitarbeitern stellte Ende 2006 die Produktion ein.

huGO-BildID: 31796967 FILES - A general view of Nokia Siemens Networks in Espoo on November 23, 2011. Finnish telecom equipment maker Nokia is buying
7 von 14

Siemens Networks

Das Geschäft mit der Ausrüstung für Telefonnetze brachte Siemens im Jahr 2007 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein. Nokia Siemens Networks machte danach etliche Sparrunden durch. Anfang Juli kündigte Siemens den Verkauf seines 50-Prozent-Anteil für 1,7 Milliarden Euro an Nokia an.
Siemens hatte bereits seit langem den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen gesucht. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibe das Unternehmen die „Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran“, teilte Joe Kaeser, damals Siemens-Finanzvorstand, mit.

Dem Zeitungsbericht zufolge stoppte Siemens die Praxis im zweiten Halbjahr 2014 und erklärte den Vertriebspartnern, die zehn Prozent seien verfallen. Demnach haben sich nun 37 Betroffene zusammengeschlossen, um sich ihr Geld zurückzuholen. Die gesamte Summe belaufe sich auf etwa fünf Millionen Dollar.

Siemens setzte im vergangenen Geschäftsjahr im Reich der Mitte 6,4 Milliarden Euro um, etwa ein Fünftel seiner gesamten Einnahmen, und beschäftigt vor Ort gut 32.000 Menschen. Die chinesische Regierung drängt die heimische Wirtschaft verstärkt dazu, eigene Medizintechnik anzubieten und einzusetzen. Im Streit um die Behandlung chinesischer Partner zogen westliche Konzerne zuletzt oft den Kürzeren: So zahlte etwa BMW fast 700 Millionen Euro, nachdem sich die örtlichen Händler über unfaire Rabattbedingungen beschwert hatten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

2 Kommentare zu "Betrugsvorwürfe: Siemens droht Ärger aus China"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es scheint leider so zu sein, daß die großen Konzerne immer mehr versuchen, durch fragwürdige bzw. dreckige Maschen, ihre Vertriebspartner auszutricksen und richtig zu betrügen mit dem Wissen, daß diese fianziell ausgemolken garnicht mehr die Resources haben, sich juristisch zur Wehr zu setzen. Es ist tatsächlich so, daß die Worte Fairness, Anstand und partnerschaftliche Zusammenarbeit immer mehr aus dem Vokabular der den Konzernen vorsitzenden oftmals charakterlosen Yuppies verschwindet. Die heutige Elterngeneration, die Schulen und Hochschulen haben völlig versagt, der nachwachsenden Generation Anstand und Aufrichtigkeit beizubringen. Es gilt nur noch das Kanibalenverhalten: Fressen oder gefressen werden. Ich weiß nicht ob das bei Siemens zutrifft, aber das ist eine allgemeine Erscheinung. Dass die Großkonzerne versuchen ihne Vertriebspartner zu knebeln, zu betrügen bzw. zu erpressen, ist ja eigentlich nicht neu. Die Autoindustrie hat ja die letzten Jahre vorgeführt, was schweinisches Verhalten ist, nur daß Schweine über diesem Niveau stehen. Bei vielen Technologieunternehmen steht ohnehin nicht mehr die Kompetenz an erster Stelle, viele Sparten werden häufig durch inkompetente Controller geleitet. Warten wir mal ab: es wird in den kommenden Jahren aufgrund dessen eine Menge Pleiten geben. Die Verursacher kommen aber meistens mit vollgestopften Taschen heraus.

  • Management! Das ist Managment "Made in Germany". Deshalb müssen die gehälter der Mitarbeiter gekürtzt werden. Die Unis bringen den Studenten nur noch Betrug und Menschenverachtung bei???? Wo sind die alten Richtlinien von Siemes ca. 1900??? Warum zählen heute nur noch Boni gegen den Arbeitsbertrag(Zum Wohl der Firma=Mitarbeiter zu wirken?) Warum stehen die manager nur noch vor Gericht und werden nicht bestraft. Nur 1 einziges Beispiel: BER: Politiker und Verantortliche "vernichten" die Bürger!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%