Betrugsvorwürfe
Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen Airbus-Chef Enders

Österreich fühlt sich beim Kauf des Eurofighters von Airbus geprellt und fordert 1,1 Milliarden Euro Schadenersatz. Jetzt richten sich die Betrugsvorwürfe auch gegen Tom Enders. Die österreichische Justiz ermittelt.
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WienAirbus-Chef Thomas Enders ist im Zusammenhang mit einem früheren milliardenschweren Kauf von Kampfjets durch Österreich ins Visier der Wiener Staatsanwaltschaft geraten. Laut einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Dokument ermittelt die österreichische Justiz gegen den Vorstandschef des Flugzeugbauers wegen schweren Betrugs. Eine Sprecherin der Behörde bestätigte die Untersuchungen. Airbus lehnte eine Stellungnahme vorerst ab.

Die Staatsanwaltschaft Wien hatte im Februar ein Verfahren gegen den Luftfahrtkonzern eröffnet. Das österreichische Verteidigungsministerium hatte die Airbus Defence and Space GmbH – früher EADS Deutschland – sowie die in München ansässige Eurofighter Jagdflugzeug GmbH angezeigt. Hintergrund ist, dass sich Österreich beim Kauf von zuletzt 15 Jagdflugzeugen des Typs Eurofighter getäuscht fühlt. Das Land fordert 14 Jahre nach dem Kauf rund 1,1 Milliarden Euro Schadenersatz. Enders war damals Chef der Defence-Sparte bei Airbus. Der Luftfahrtkonzern hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Bereits im Februar hatte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil Airbus scharf kritisiert: Hätte sich der Konzern „rechtskonform“ verhalten, hätte Österreich keine Eurofighter gekauft, sondern die günstigeren Gripen von Saab, sagt er. Airbus widersprach den Vorwürfen der Arglist und des Betrugs damals. „Sie erscheinen konstruiert und wir weisen sie in aller Deutlichkeit zurück“, erklärte der Konzern – die Aktion Österreichs sei „ein politisches Manöver“.

Staatsanwälte in München und Wien nehmen den umstrittenen Kauf der Kampfflugzeuge des Typs Eurofighter durch Österreich schon seit Jahren unter die Lupe. Sowohl der Kauf als auch die in der Rüstungsbranche üblichen Gegengeschäfte waren wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen und Scheingeschäfte immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Laut dem vorliegenden Dokument ermittelt die österreichische Justiz nun gegen insgesamt 16 Personen. Auch bei der Münchner Staatsanwaltschaft stehen 16 frühere Eurofighter-und EADS-Manager unter dem Verdacht der Untreue. Zur Jahresmitte wollen die Ermittler ihre Ergebnisse vorlegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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