Bevölkerung mehrheitlich für Senkung der Arbeitskosten – Einigung in Sindelfingen in Sicht
Beispiel Daimler inspiriert andere Firmen

Im Schatten der Auseinandersetzung bei Daimler-Chrysler verlangen immer mehr Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie unbezahlte Mehrarbeit von ihren Beschäftigten. In Baden-Württemberg sind entsprechende betriebliche Vereinbarungen sogar schon üblich, ergab eine Umfrage des Handelsblatts. Gleichzeitig scheint auch die Reformbereitschaft der Bürger zu steigen. In einer Forsa-Umfrage äußerten 53 Prozent der Befragten Verständnis für das Vorgehen der Daimler-Führung, nur 42 Prozent lehnten es ab.

hz/wb STUTTGART. Während sich bei Daimler selbst nach Informationen aus Verhandlungskreisen mittlerweile eine Einigung abzeichnet, springt die Diskussion um Arbeitszeiten auch auf andere Branchen über. Im Baugewerbe fordern die Arbeitgeber im Gegenzug für eine Beschäftigungsgarantie eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit von 39 auf 42 Stunden. Auch die Hersteller von Hausgeräten drängen auf eine Verlängerung der Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden pro Woche, wie der „Tagesspiegel am Sonntag“ unter Berufung auf Geschäftsführer von Bosch-Siemens Hausgeräte und AEG Hausgeräte berichtete. Auch der Heiztechnik-Produzent Viessmann will zurück zur 40-Stunden-Woche.

Auf der politischen Ebene wird der Streit um Arbeitszeiten ebenfalls hitziger. Nachdem sich Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag noch für „flexible Lösungen“ ausgesprochen hatte, attackierte SPD-Chef Franz Müntefering am Wochenende die Arbeitgeber. Die Konzernchefs wollten die Gunst der Stunde nutzen, um die Arbeitnehmer zu knebeln, sagte er der „Berliner Zeitung“.

Allerdings stößt das Vorgehen von Daimler-Chrysler selbst bei SPD-Wählern auf Verständnis: 56 Prozent äußerten sich entsprechend in einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Handelsblatts. Die rund 1 000 Befragten rechnen mehrheitlich damit, dass die Unternehmensleitung siegreich aus dem Konflikt hervorgeht. Und auch die von Siemens durchgesetzte Verlängerung der Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn befürwortete eine klare Mehrheit (56 Prozent) der Befragten.

In der Metallindustrie Baden-Württembergs bemühen sich mittlere Unternehmen seit längerem um eine Senkung der Lohnkosten. So hat der Papiermaschinenhersteller Voith, Stammhaus des BDI-Präsidenten Michael Rogowski, bereits 2003 ein zweistufiges Kostensenkungspaket geschnürt, das er seither „geräuschlos und im Einvernehmen mit der Belegschaft“ umsetzt, wie ein Unternehmenssprecher betont. Überlegungen über die Nutzung des neuen Metall-Tarifvertrags mit seinen erweiterten Flexibilisierungs-Optionen – zum Beispiel 18 Prozent der Belegschaft auf 40 Wochenstunden zu setzen – gibt es bereits beim Motorsägen-Hersteller Stihl oder beim Pressenbauer Schuler.

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