Bevorstehende Berichtssaison
US-Konzerne freuen sich auf 2007

Bevor am Dienstag der Aluminiumriese Aloca mit seiner Bilanz zum dritten Quartal die Berichtssaison eröffnet, rechnen Analysten damit, dass die 500 größten US-Unternehmen ihre Nettogewinne im abgelaufenen dritten und im ausstehenden vierten Quartal prozentual zweistellig gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert haben oder steigern werden.

NEW YORK. Die im S&P-500-Index notierten Unternehmen haben ihre Gewinne bereits zwischen 2001 und 2005 verdoppelt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt erreichten die Firmengewinne in den USA den höchsten Stand seit 60 Jahren.

„Insbesondere der private Verbrauch ist nach wie vor außerordentlich robust“, sagt Michael Thompson, Researchdirektor des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial. Er weist darauf hin, dass für die besonders konjunkturempfindlichen Industriebetriebe in den kommenden zwölf Monaten zweistellige Gewinnzuwächse erwartet werden: „Das ist ein gutes Zeichen für die gesamte Wirtschaft.“

Volkswirte bezweifeln allerdings, dass die Analysten mit ihren Gewinnprognosen richtig liegen. Nach einer Umfrage des Business Council unter 70 Top-Managern in den USA erwarten 54 Prozent, dass das Tempo der Profitzuwächse noch in diesem Jahr sinken wird. Thomas Doerflinger, Marktstratege bei der Großbank UBS in New York, sagt für das kommende Jahr nur noch ein Ertragsplus von vier Prozent voraus.

Einig sind sich Analysten und Ökonomen aber darin, dass die Globalisierung die Ertragsentwicklung der Unternehmen stabilisiert hat. Firmengewinne entwickeln sich heute nicht mehr so stark im Gleichschritt mit dem Rest der Wirtschaft. Insbesondere das enorm gestiegene Angebot von billigen Arbeitskräften habe die Lohnstückkosten vieler Firmen gesenkt, sagt David Wyss, Chef-Ökonom der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P). Gespeist wird die Ertragskraft außerdem von niedrigen langfristigen US-Zinsen, kräftigen Produktivitätssteigerungen und der eisernen Kostendisziplin. Wyss warnt jedoch davor, den Einfluss der Konjunktur auf die Gewinne zu unterschätzen: „Die Konjunkturabhängigkeit ist durch die Globalisierung geringer geworden, aber sie ist noch vorhanden“, sagt der S&P-Experte.

Ohnehin können nicht alle Branchen jubeln. Auf einen deutlichen Gewinnrückgang muss sich beispielsweise der Energiesektor einstellen. Zwar erwarten die Experten für das dritte Quartal noch ein sattes Plus von 15 Prozent. Danach geht es jedoch steil bergab. Im ersten Quartal 2007 sollen die Erträge gar um vier Prozent zurückgehen. Grund dafür ist vor allem der gesunkene Ölpreis. Ein Faktor, der übrigens die Ertragslage in anderen Branchen verbessern dürfte. Für die IT-Branche rechnen die Experten im zweiten Halbjahr nur noch mit einstelligen Steigerungen zwischen sechs und acht Prozent.

Unter dem Strich wird sich der Gewinnboom nach Ansicht von Thomson Financial allerdings fortsetzen. Die Steigerungsrate für die im S&P 500 notierten Firmen soll für das Schlussquartal 12,3 Prozent betragen, in der ersten Jahreshälfte 2007 bis auf 6,6 Prozent zurückgehen und danach wieder auf mehr als zwölf Prozent ansteigen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass viele Firmen ihre Gewinne mit großen Aktienrückkäufen aufpolieren.

„Etwa vier Prozent ihres Ertragswachstums haben die Unternehmen ihren Aktienrückkäufen zu verdanken“, sagt Thompson. Durch den Rückkauf eigener Aktien sinkt die Zahl der außen stehenden Papiere. Dadurch erhöht sich automatisch der Gewinn je Aktie.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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