Bewegung im Streit um Verkauf
Zweite MTU-Gründerfamilie geht auf Daimler zu

Daimler-Chrysler scheint im Streit um den Verkauf des Motorenherstellers MTU Friedrichshafen die Oberhand zu gewinnen. Bis Ende der Woche könnte der Autohersteller alle Anteile übernehmen und das Unternehmen anschließend veräußern - wenn denn die MTU-Gründerfamilie Brandenstein-Zeppelin ihre Blockadehaltung aufgibt.

HB FRANKFURT. „Ich strebe eine Einigung mit Daimler-Chrysler an“, sagte Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin am Mittwoch. Er prüfe mit Blick auf das Wohl des Unternehmens die möglichen Optionen. Über seine Absichten wollte er keine Angaben machen. Ein Bericht der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwochausgabe), wonach sich die Familie gegen den Verkauf entschieden habe, bezeichnete er als „falsch“.

Der Graf und weitere Mitglieder der MTU-Gründerfamilie Brandenstein-Zeppelin müssen bis Donnerstag entscheiden, ob sie ihren knapp fünfprozentigen Anteil an den Autokonzern verkaufen. Daimler-Chrysler hält 88 Prozent an dem Dieselmotoren-Hersteller und hat sich von der ebenfalls zu den MTU-Gründern zählenden Familie Maybach vertraglich weitere 7,2 Prozent gesichert.

„Durch den Verkauf der Familie (Maybach) ist eine neue Situation entstanden“, sagte Brandenstein-Zeppelin. Die Phalanx der Familien war in der vergangenen Woche zerbrochen, nachdem die Maybachs überraschend ihre Anteile Daimler-Chrysler für über 80 Millionen Euro andienten. Bisher hatten sich die beiden Familiengruppen einem Verkauf des Unternehmens durch Daimler-Chrysler an einen industriellen Investor widersetzt und einen Verkauf an den Finanzinvestor Carlyle bevorzugt. Damit wollten die Nachfahren der MTU-Gründer ihre Mitspracherechte bei dem Traditionskonzern sichern und ihren Anteilsbesitz aufstocken.

Aus Kreisen der Familiengesellschafter verlautete, nach dem unwiderruflichen Anteilsverkauf der Familie Maybach wachse der Druck auf die Familie Brandenstein-Zeppelin. Die Zeppelins könnten bald gezwungen sein, ihre Anteile an Daimler-Chrysler zu verkaufen, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Es sei bis Donnerstag mit einer Entscheidung zu rechnen.

Inwiefern die neue Situation MAN wieder auf den Plan rufen könnte, ist unbekannt. Der Maschinenbau- und Nutzfahrzeug-Konzern ist der Käuferfavorit Daimler-Chryslers. MAN hatte sich aber nach den Rangeleien der vergangenen Wochen zurückgezogen.

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