Bezahlung soll von Leistung abhängen
„Die Opfer der Manager sind richtig“

Das Handelsblatt im Gespräch mit Roland Berger, Gründer und Aufsichtsratschef von Roland Berger Strategy Consultants.

Herr Berger, verdienen Deutschlands Manager zu viel? Müssten die Chefs angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage nicht auch Einbußen hinnehmen?

Es ist klug und moralisch richtig, wenn Manager, die von ihren Arbeitnehmern Opfer verlangen, selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Natürlich sind Kürzungen bei Führungskräften eher symbolische Gesten. Die notwendigen Kostensenkungen lassen sich dadurch nicht erreichen. Trotzdem ist es ein wichtiges Zeichen Mitarbeitern und Gesellschaft gegenüber.

Der geplante Gehaltsverzicht der Führungskräfte von Daimler- Chrysler ist also richtig?

Ja. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es gerade Mercedes lange Zeit sehr gut ging. Davon haben die Mercedes-Beschäftigten, speziell in Sindelfingen, durch Sondervergünstigungen mehr profitiert als Arbeitnehmer in fast allen anderen deutschen Betrieben.

Ist die Diskussion um Managergehälter nicht typisch für die Neidkultur in Deutschland?

Im gesamten deutschen Kulturkreis ist die Neigung, Eliten hoch zu bezahlen und anzuerkennen, traditionell wenig ausgeprägt. Man versteht hier einfach nicht, dass es gesellschaftlich sinnvoll ist, außergewöhnliche Leistungen außergewöhnlich gut zu entlohnen. Denn diese Leistungen schaffen und sichern den Wohlstand einer Gesellschaft. Trotzdem: Momentan leben wir in einer ganz besonderen historischen Situation. Zum ersten Mal seit 1948 stagniert unsere Wirtschaft drei Jahre lang in Folge, und wir haben aus dem Wachstum nichts mehr zu verteilen, was besonders den Durchschnittsbürger trifft.

Heißt das, dass die Bezüge der Führungskräfte sinken werden, bis die Wirtschaft wieder anspringt?

Die Bezahlung wird vor allem vom einzelnen Unternehmen abhängen. Geht es den Firmen besser durch herausragende Managementleistung, sollten die Gehälter der Führungskräfte auch steigen, bei schlechteren Ergebnissen entsprechend sinken.

Der variable Anteil an den Bezügen sollte also steigen?

Keine Frage. Dabei sollte der Erfolg aber nicht primär am Börsenkurs gemessen werden. Aktienoptionen stehe ich skeptisch gegenüber, weil Managementleistung und Aktienkurs oft nicht übereinstimmen. Vielmehr sollten in erster Linie Unternehmenskennzahlen wie Gewinn, Cash-Flow, Marktanteil oder eine Kombination solcher Größen den Ausschlag geben. Bei Roland Berger Strategy Consultants sind 95 Prozent der Partnerbezüge abhängig vom Unternehmensergebnis.

Die Fragen stellte Joachim Hofer.

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