BHI übernimmt Kontrolle
Eklat bei Kulmbacher Brauerei

Mit einem offenbar generalstabsmäßig vorbereiteten Husarenstreich hat die Münchner Brau Holding (BHI) International die Kontrolle über den Aufsichtsrat der nordbayerischen Kulmbacher Brauerei übernommen. Der Mehrheitsaktionär BHI hat damit dem amtierenden Kulmbacher-Chef Jürgen Brinkmann die Entlastung verweigert. Dieser kritisiert die Überrumpelungstatktik der Münchner.

DÜSSELDORF. Einen Tag nach der turbulenten Hauptversammlung in Oberfranken sagte Kulmbacher-Vorstandschef Jürgen Brinkmann,am Donnerstag dem Handelsblatt, dass der Vorstand unverständlicherweise ins Visier des Mehrheitsaktionärs geraten sei. Dabei habe er stets im Sinne aller Anteilseigner, einschließlich der Minderheitsaktionäre, gehandelt. "Der Mehrheitsaktionär führt sich auf wie ein Alleineigentümer, aber es gibt doch keinen Beherrschungsvertrag mit der BHI", betonte Brinkmann.

In scharfen Worten hatte Rainer Götz, Chefjustitiar der Münchner Schörghuber Gruppe, die an der BHI zusammen mit dem niederländischen Brauriesen Heineken je zur Hälfte beteiligt ist, den Kulmbacher-Chef attackiert. Götz kritisierte auf der Hauptversammlung die schlechte Ertragslage der Brauerei sowie die hohen Abschreibungen, die das Unternehmen auf die 2005 gekaufte Würzburger Hofbräu leisten musste.

Brinkmann seinerseits wandte sich gegen die Überrumpelungstaktik der Münchner, schließlich habe auch die BHI dem Kauf der Würzburger Hofbräu zugestimmt. Außerdem habe die Kulmbacher Brauerei, die im vergangenen Jahr 2,4 Mill. Hektoliter Bier verkauft und rund 223 Mill. Euro umgesetzt hat, die Wertberichtigung in voller Höhe inzwischen von der ehemaligen Würzburger Eigentümerfamilie wegen Ansetzung eines zu hohen Kaufpreises zurückgefordert.

Der Schörghuber Gruppe, die 50,1 Prozent der BHI-Anteile hält, obliegt seit Gründung des Joint Ventures im Jahr 2002 dessen unternehmerische Führung. Unter dem Dach der BHI, der viertgrößten deutschen Braugruppe, wurden mit Paulaner, Kulmbacher, Fürstenberg und Karlsberg die Brauerei-Aktivitäten der Schörghuber Gruppe (Immobilien, Hotels und Flugzeugleasing) gebündelt. An der Kulmbacher Brauerei hält die BHI 63 Prozent.

Mit dieser Stimmenmehrheit besetzte die BHI am Mittwoch alle für Anteilseigner bestimmten Mandate im Aufsichtsrat. Hans-Peter Hoh, Finanzvorstand von Schörghuber, übernahm den Vorsitz in diesem Gremium. Lokalmatador Hans-Albert Ruckdeschel, der als zweitgrößter Aktionär der Brauerei 25,5 Prozent der Anteile hält, ging bei der Besetzung des Aufsichtsrats leer aus. Neben den BHI-Leuten sitzen noch zwei Arbeitnehmervertreter in diesem Gremium.

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