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08.11.2007 
Neuer Bergbau-Gigant

BHP baggert Rio Tinto an

von Dirk Heilmann und Markus Hennes

BHP, der Weltmarktführer der Bergbau-Branche, will seinen Konkurrenten Rio Tinto übernehmen. Mit der Fusion entstünde ein Rohstoff-Gigant mit mehr als 360 Milliarden Dollar Börsenwert. Während Börse und Analysten positiv auf den Plan reagierten, vertiefen sich die Sorgenfalten der Kunden.

Riesenkipper in einem australischen Tagebau des BHP-Konzerns. Das Unternehmen plant eine spektakuläre ÜbernahmeLupe

Riesenkipper in einem australischen Tagebau des BHP-Konzerns. Das Unternehmen plant eine spektakuläre Übernahme

LONDON/DÜSSELDORF. Marius Kloppers beginnt seine Amtszeit als Chef von BHP Billiton mit einem Paukenschlag: Im ersten Monat am neuen Schreibtisch hat der 45-Jährige dem Konkurrenten Rio Tinto einen Übernahmevorschlag unterbreitet. Trotz der spontanen Ablehnung und kartellrechtlicher Bedenken ist der Weltmarktführer der Bergbau-Branche zuversichtlich, die zweitgrößte Übernahme aller Zeiten über die Bühne zu bringen. Kunden wie der Stahlbranche graust es hingegen.

Nach der Ablehnung des ersten Vorstoßes hat BHP nach eigenen Angaben einen zweiten Brief geschrieben, um mit der Führung von Rio Tinto ins Gespräch zu kommen. Anhaltende Spekulationen an der Börse zwangen BHP gestern zu einer Mitteilung.

Die einhellige Ablehnung der Rio-Tinto-Führung sei „nicht besonders feindselig“ formuliert, erfuhr das Handelsblatt aus Bieterkreisen. Den Griff nach Rio Tinto habe der BHP-Vorstand seit Jahren überlegt. Der neue Chef, der am 1. Oktober sein Amt antrat, wagt nun den Sprung. Der Abgang seines wenige Jahre älteren Vorgängers Chip Goodyear sei aber nicht darauf zurückzuführen, dass er gegen die Fusion gewesen sei. „Dass BHP diesen Angriff wagt, zeigt, wie knapp gute Ressourcen sind“, sagt Analyst Charles Bailey von Brewin Dolphin Securities.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Rohstoffboom hat die Kassen gefüllt

BHP Billiton ist der größte Bergbaukonzern der Welt mit dem breitesten Produktangebot. Neben dem klassischen Minengeschäft hat er eine Ölsparte aufgebaut, die nach Schätzung von Lehman-Brothers-Analyst Christopher La Femina allein 32 Mrd. Dollar wert ist. Rio Tinto, ebenfalls ein britisch-australischer Konzern, verfolgt eine ähnliche Strategie: eine breite Diversifizierung im Rohstoffsektor bei Konzentration auf große, hochprofitable Minen. Zuletzt kaufte er den kanadischen Aluminiumhersteller Alcan für 38 Mrd. Dollar.

Der Rohstoffboom hat beiden Konzernen die Kassen gefüllt. Sie verdienen mit fast allen ihren Produkten Gewinnspannen vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 50 Prozent und mehr. Trotz hoher Cash-Flows entschloss sich BHP, einen reinen Aktientausch anzubieten: drei BHP-Aktien je Rio-Tinto-Aktie. Das bewertet Rio Tinto aktuell mit rund 140 Mrd. Dollar. Das entspricht gut dem Elffachen des Ebitda für 2006 – im Branchenmaßstab kein hoher Wert.

Dass BHP diese Variante einem Barangebot vorziehe, habe nichts mit der Krise an den Kreditmärkten zu tun, hieß es in Konzernkreisen. Vielmehr wolle man den Rio-Aktionären die Chance geben, weiterhin am Rohstoff-Boom teilzuhaben.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Preissprung bis zu 50 Prozent erwartet

Während die Börse und Analysten am Donnerstag positiv auf den Fusionsplan reagierten, vertiefen sich die Sorgenfalten der Kunden, die sich nun bald einer noch größeren Konzentration im Bergbau gegenübersehen könnten. „Wenn es tatsächlich zu dieser Fusion kommen sollte, würde das die Situation für die Stahlhersteller noch weiter verschärfen“, sagte Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, dem Handelsblatt. Es gäbe dann nur noch zwei Erzlieferanten mit einer erdrückenden Marktmacht. Schon jetzt kontrollieren die drei Rohstoffkonzerne CVRD aus Brasilien sowie Rio Tinto und BHP mehr als zwei Drittel des weltweiten Erzhandels.

Experten rechnen ohnehin schon mit einem weiteren Preissprung von bis zu 50 Prozent im kommenden Jahr. Analysten rechnen damit, dass die Kartellwächter weltweit einen kritischen Blick auf die Fusion werfen würden. Die Konzerne wären gemeinsam unter anderem größter Anbieter von Kohle, Kupfer und Aluminium. BHP werde nach einer Übernahme die besten Minen herauspicken und den Rest verkaufen, um Kartellauflagen zu erfüllen, mutmaßt ein Fondsmanager.

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