
shf/HB MELBOURNE. Am Dienstag hatte der kanadische Potash-Konzern das 38,6 Mrd. Dollar schwere Übernahmegebot von BHP Billiton publik gemacht und harsch als zu niedrig zurückgewiesen. BHP bestätigte die Abgabe eines Angebots über 130 Dollar je Aktie. Die Australier wollen sich mit der Kaliförderung noch breiter aufstellen.
Im Kalimarkt zeichnet sich derzeit eine globale Konzentrationswelle ab: Auch in Russland gibt es Medienberichte über bevorstehende Zusammenschlüsse. Die Konkurrenzsituation für den Kasseler Düngemittelhersteller K+S könnte sich mit den jüngsten Fusionsplänen grundlegend ändern.
Kalidünger sind für eine ausgewogene Nährstoffversorgung von Pflanzen unverzichtbar. Der Bergbaukonzern BHP Billiton ist zur Überzeugung gelang, dass ein ähnlicher Zusammenhang für sein Geschäft gilt. 39 Mrd. Dollar legt der australische Konzern für die Übernahme des weltgrößten Kaliproduzenten Potash auf den Tisch.
Noch ziert sich der kanadische Konzern, er pokert und lehnt die Offerte als zu niedrig ab. Doch allein schon der Versuch zeigt, dass die Konsolidierung der Düngemittelindustrie eine neue Qualität gewinnt. Denn erstmals versucht ein führender Rohstoffkonzern massiv in dem Geschäft Fuß zu fassen. Potash ist mit 20 Prozent Marktanteil führender Anbieter im Kaligeschäft und erzielte 2009 bei rund vier Mrd. Dollar Umsatz einen Nettogewinn von knapp einer Mrd. Dollar.
Branchenkenner schließen nicht aus, dass weitere Düngerproduzenten, darunter auch die deutsche K+S AG, ins Blickfeld von Bergbaukonzernen geraten könnten. "Es ist für diese Konzerne sehr sinnvoll, in das Kalisegment zu expandieren und damit ihr Produktprogramm zu verbreitern", sagt Agrar- und Rohstoffexperte Heinz Müller von der DZ Bank. Die K+S-Aktie legte in Reaktion auf den Vorstoß von BHP bei Potash gestern um zeitweise mehr als sechs Prozent zu.
Ähnliche Produktionstechnik
Kali ist neben Phosphor, Magnesium und Stickstoff ein Grundelement der Pflanzendüngung. Der Verkauf derartiger Stoffe ist für Bergbaukonzerne attraktiv: Zum einen basiert die Produktion auf ähnlicher Technik wie bei vielen anderen Bergbauprodukten. Im Gegensatz zu Stickstoffdüngern kann Kali nicht chemisch produziert werden, sondern nur im Untertagebau in großen Bergwerken. Dazu sind ein hoher Kapitaleinsatz und langwierige Vorlaufinvestitionen nötig. Für die Erschließung neuer Minen veranschlagen Branchenvertreter sieben Jahre Investitionszeit und Kosten von etwa 1,5 Mrd. Dollar pro Mio Tonne Jahresproduktion.
Zum anderen haben sich die Perspektiven auf dem Markt nach einem heftigen Einbruch im vergangenen Jahr deutlich gebessert. Fast alle Hersteller meldeten fürs erste Halbjahr 2010 höhere Absatzmengen bei stabilen bis leicht steigenden Preisen. K+S etwa hat die eigene Absatzprognose auf 6,5 bis sieben Mio. Tonnen angehoben, gegenüber einem Vorjahresabsatz von lediglich 4,3 Mio. Tonnen. Global rechnet die Branche mit einem Absatzwachstum um die Hälfte auf etwa 50 Mio. Tonnen Kalidünger. Angesichts eines steigenden Nahrungsmittelbedarfs und anziehender Getreidepreise zeichnet sich für die nächsten Jahre ein weiteres Wachstum des Kaliverbrauchs ab.