Der Rohstoffkonzern BHP Billiton hat trotz eines chinesischen Störversuchs ein formelles, feindliches Übernahmeangebot für den Konkurrenten Rio Tinto vorgelegt. Er erhöhte in der Nacht zum Mittwoch seine bisher unverbindliche Offerte von drei auf 3,4 Aktien je Rio-Tinto-Aktie. Den Aktionären winkt eine Sonderdividende.
Eine Maschine fördert in einer australischen Mine von BHP Billiton Eisenerz. BHP greift nach dem Rivalen Rio Tinto. Es wäre eine der größten Übernahmen aller Zeiten. Foto: Reuters
NEW YORK. Außerdem will er nach einer erfolgreichen Übernahme 30 Mrd. Dollar an die Aktionäre ausschütten. Mit einer Bewertung von aktuell 147 Mrd. Dollar wäre das die zweitgrößte Übernahme aller Zeiten nach dem Kauf von Mannesmann durch Vodafone.
Gestützt wird sie von einem Finanzierungspaket von 55 Mrd. Dollar, das eine Bankengruppe unter Führung von Goldman
Sachs bereit stellt.
Die Aktionäre beider britisch-australischen Konzerne hätten in den vergangenen Monaten überwältigend positiv auf den Fusionsplan reagiert, sagte BHP
-Chef
Marius Kloppers in einer internationalen Telefonkonferenz. Er sei zuversichtlich, dass auch die Kunden die Vorteile aus einer Kombination der beiden Bergbauriesen spüren würden. Sowohl Hauptkunde China als auch Stahlkonzerne aus Europa und Japan haben öffentlich gegen die Marktmacht protestiert, die Kloppers' Minengigant erlangen würde.
China versuchte sogar Ende vergangener Woche, die Fusion von BHP
und Rio Tinto
aktiv zu konterkarieren. Der staatliche Metallkonzern Chinalco kaufte sich zusammen mit dem US-Aluminiumhersteller Alcoa
für 14 Mrd. Dollar in Rio Tinto
ein. Er hält nun einen Anteil von neun Prozent am Aktienkapital des Konzerns. Kloppers wollte sich nicht dazu äußern, ob er nun Gespräche mit Chinalco und Alcoa
suchen werde. "Chinalco war für unsere Überlegungen nur ein Faktor unter vielen, neben zum Beispiel der weltweiten makroökonomischen Entwicklung", sagte er.
BHP
Rio Tinto
Das Angebot von BHP
stellt nach Angaben des Bieters eine Prämie von 45 Prozent dar, wenn man die durchschnittlichen Aktienkurse im Oktober 2007 zugrunde legt. Kloppers geht davon aus, dass der Aktientausch die richtige Form sei, weil die meisten Rio-Aktionäre Anteile beider Firmen besäßen und an einer führenden Minengruppe beteiligt bleiben wollten. Nach der Übernahme würden sie 44 Prozent an dem vereinigten Konzern halten. Kloppers verspricht ihnen jährliche Synergien von 3,7 Mrd. Dollar aus einer Fusion nach sieben Jahren. "Ich bin aber überzeugt, dass wir darüber hinaus noch weitere Werte für die Aktionäre schaffen würden, die wir bisher noch nicht identifiziert haben", fügte er hinzu.

