Bierbranche
Dancefloor statt Bierstube

Die amtliche Statistik belegt es: Tschechische Biere genießen weltweit nicht nur ein hohes Ansehen – sie werden außerhalb der Landesgrenzen auch in größeren Mengen getrunken.

CESKE BUDEJOVICE. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die exportierte Menge auf rund drei Millionen Hektoliter verdoppelt. Mit einer Ausfuhrquote von fast 50 Prozent profitiert die Brauerei Budweiser Budvar aus Ceske Budejovice etwa 150 Kilometer südlich von Prag ganz besonders von dieser Entwicklung. Allein ein Fünftel der jährlichen Budweiser-Produktion von über einer Million Hektoliter Bier wird in Deutschland getrunken.

Dabei will die Brauerei keineswegs die Gemütlichkeit der tschechischen Bierstube und die Deftigkeit der böhmischen Küche exportieren, die für westliche Devisenbesitzer schon immer ein eher preiswertes Vergnügen war. „Wir sehen uns klar in der Liga der internationalen Premiumbiere“, sagt Budweiser-Generaldirektor Jiri Bocek und deutet auf ungezählte Kästen mit gerade neu angeschafften Drittelliterflaschen, an denen trendbewusste Besucher der westeuropäischen Diskoszene so gerne nuckeln. Das hochpreisige dänische „Carlsberg“ oder das australische „Fosters“ sind damit die direkten Wettbewerbern der Tschechen, die sich am oberen Ende der Preisskala sichtlich wohlfühlen. Budweiser zum Billigtarif wäre für sie undenkbar.

Das Geschäft mit der böhmischen Ess- und Trinkkultur überlässt Bocek gern anderen, beispielsweise der Brauerei Krusovice, die sich im Besitz des deutschen Marktführers, der zum Bielefelder Oetker-Konzern gehörenden Radeberger Gruppe, befindet. Im rückläufigen deutschen Biermarkt legte Krusovice im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent zu. Mit einem Marktanteil von rund drei Prozent unter den internationalen Bieren in Deutschland kann Krusovice Budweiser (13 Prozent Marktanteil) aber noch lange nicht das Wasser reichen.

Budweiser zeigte im vergangenen Jahr beim Absatz eine bisher nie gekannte Schwäche, was mit einem festgefahrenen Streit der tschechischen Brauerei mit deutschen Importeuren zusammenhing. Nach einem teuer erkauften Kompromiss kann Budweiser jetzt über die Vertriebstochter BBI wieder direkt nach West- und Süddeutschland liefern. Die neue Drittelliterflasche soll mit dazu beitragen, das schale Gastronomiegeschäft in Deutschland wieder zum Sprudeln zu bringen. Gut zehn Prozent möchte Budweiser-Chef Bocek in Deutschland in diesem Jahr insgesamt wieder zulegen.

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