Bierbranche
Trübe Aussichten für Brauereien

Der Bierdurst der Deutschen im Juli und August entscheidet über das Wohl und Wehe der gesamten Branche: In der Biergartensaison wird soviel getrunken wie sonst nur in der Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel zusammengerechnet. Allerdings nur, wenn das Wetter mitspielt. Die Absatzentwicklung lief in diesem Jahr bisher enttäuschend.

DÜSSELDORF. Der Wetterbericht ist bei den meisten deutschen Brauereien derzeit der wichtigste Konjunkturindikator. Denn der Bierdurst der Deutschen im Juli und August kann über das Wohl und Wehe der gesamten Branche entscheiden. In der Biergartensaison wird in der Regel so viel Gerstensaft konsumiert wie sonst nur noch in der Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel zusammengerechnet. Allerdings nur, wenn das Wetter mitspielt.

Die bisherige Absatzentwicklung der Brauereien verlief enttäuschend: Um bis zu fünf Prozent ist der Bierabsatz hierzulande in den ersten fünf Monaten des Jahres eingebrochen, berichten Statistisches Bundesamt und Branchenkreise. In den Sog der allgemeinen Branchenentwicklung gerieten fast alle deutschen Großbrauereien.

Schlechtes Wetter, negatives Konsumklima und die Auswirkungen der gesetzlichen Rauchverbote auf die Gastronomie waren, so erklären die Brauer unisono, die Hauptursachen für die relativ hohen Absatzverluste. Die treffen die Branche besonders hart, weil die Brauereien sich wegen der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung ohnehin schon auf jährliche Absatzrückgängen von bis zu zwei Prozent einstellen müssen. Zuletzt tranken die Deutschen 91 Mio. Hektoliter Bier pro Jahr.

Während der Marktführer bei den Premiummarken, die Krombacher Brauerei, mit einem Absatzminus von wenig mehr als fünf Prozent im ersten Halbjahr 2009 ein durchschnittliches Ergebnis einfuhr, zeigten sich bei den Nachbarn Warsteiner und Veltins mit einem Minus von jeweils 6,5 Prozent deutliche Abweichungen nach unten. Veltins-Chef Michael Huber begründet die zusätzlichen Absatzverluste vor allem mit der Auslistung beim Discounter Lidl. 60 000 Hektoliter Veltins Pils und 20 000 Hektoliter der Biermixmarke "V plus Curuba" gingen beim Absatz gegenüber dem Vorjahr verloren, weil Lidl auf Druck von Umweltschutzverbänden die Einweg-Glasflaschen aus den Regalen verbannte.

Während Veltins beim Pils mit der Einführung eines neuen Kastens im Porsche-Design neue Kaufanreize schaffte, ging die Marke "V plus", Wachstumsgarant der vergangenen Jahre, mit einem Minus von fast neun Prozent aus dem ersten Halbjahr. "Hier spüren wir die wachsende Marktmacht des Handels", sagt Volker Kuhl, Vertriebs- und Marketing-Geschäftsführer bei Veltins.

So versuchen deutsche Handelsketten die einzelnen Brauereien gegeneinander auszuspielen. Sie nehmen nur diejenigen Marken in ihre Regale auf, die sich ihren Preisvorstellungen unterwerfen. Waren früher Beck?s Green Lemon oder Beck?s Orange die einzigen Alternativen zu den besonders bei den jungen Konsumenten beliebten "V plus"-Mischungen, sind inzwischen andere Hersteller ähnlich erfolgreich. Die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger Gruppe beispielsweise ergänzte ihre Mixtur Schöfferhofer Grapefruit unlängst durch zwei weitere Erfolg versprechende Geschmacksrichtungen.

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