Biermarkt
Probleme am Flaschenhals

Im harten Wettbewerb der Brauer geht der Trend zur individualisierten Flasche: Premiumbrauereien prägen ihre Markennamen ins Glas - mit schlimmen Folgen für regionale Brauereien und die Umwelt.
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Krefeld/München„Bitte ein Bit“, „Veltins“ oder „Radeberger“ - die Namen der großen Biermarken stehen längst nicht mehr nur auf dem Etikett. Neuerdings werden die Markennamen direkt in die Flasche geprägt. Um sich im schrumpfenden Biermarkt von der Konkurrenz im Getränkehandel abzuheben, reichen Silberpapier und Kronkorken nicht mehr. Der Konsument soll die Biermarke fühlen, wenn er mit dem Daumen über die Flasche fährt.

Auf der Branchenmesse „Drinktec“ in München, der größten Getränke-Messe der Welt, geht der Trend zur individualisierten Flasche. „Große Brauereien, die es sich leisten können, wie Veltins, Radeberger oder Hasseröder, haben sich zur besseren Markendifferenzierung für eine Individualflasche entschieden“, sagt Johann Overath, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Glasindustrie. Die Glasflaschen mit Prägung werden bei den deutschen Brauern immer beliebter - mit schlimmen Folgen für das Pfandsystem und die Umwelt. 

Für viele regionale Brauereien ist die Individualisierung zur Kostenfalle geworden. „Die Sortierung hat in unserer Arbeit einen extrem teuren Stellenwert eingenommen“, sagt Frank Tichelkamp. Der Krefelder ist seit 25 Jahren in der Bierbranche und seit zehn Jahren ist er Verkaufsleiter der Königshof Brauerei in seiner Heimatstadt. Er kennt noch die Zeiten, als alle deutschen Brauereien ihr Bier in die gleichen Flaschen abfüllten und in ochsenblutfarbigen Kästen verkauften. Eine Zeit, die lange vorbei ist. „Die Anzahl an Flaschen, die wir direkt säubern und wiederverwenden können wird immer geringer“, sagt der 52-Jährige. 

Das Hauptgeschäft seiner Brauerei sind Abfüllaufträge: Kölsch, Alt, Pils und Fassbrause anderer Marken fließen in Krefeld in die Flaschen. Jährlich kommt „Königshof“ so auf einen Ausstoß von 600.000 Hektolitern. Damit gehören die Krefelder zu den zwanzig größten privaten Brauereien in Deutschland. Dabei macht die eigene Marke „Original Königshof“, die erst seit 2007 existiert, nur rund 40 Prozent des Ausstoßes aus. Das lukrative Geschäft mit den Aufträgen ist für die Privatbrauerei durch die individuellen Flaschen zur Kostenbelastung geworden.

Denn Königshof muss nicht nur die eigenen Flaschen identifizieren, sondern auch die der Auftraggeber. „Wir mussten in teure Sortieranlagen investieren, die diese Flaschen herausfiltern“, sagt Tichelkamp. Vor sieben Jahren hat seine Brauerei eine Sortieranlage für mehrere Millionen Euro angeschafft. Sie sortiert auf 600 Quadratmetern 55.000 Flaschen pro Stunde. Früher waren dafür in drei Schichten 30 Mitarbeiter verantwortlich. Tausende Kisten rattern heute jeden Tag über die Bänder der Brauerei. 

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Acht Millionen Euro stehen auf dem Hof

Kommentare zu " Biermarkt: Probleme am Flaschenhals"

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  • Ich kaufe sowieso keine Produkte, die mit teuerer Werbung (und oft mäßiger Qualität) behaftet sind.
    Schon mal Bier einer kleinen regionalen Brauerei getrunken? Echt lecker, hohe Qualität, idividueller bis mitunter auch markanter Genuss - wäre doch schade, wenn's das wegen unserer mangelnden Unterstützung bald nicht mehr gäbe !

  • Einfach verbieten oder Abholpflicht für Brauereien beim Verbraucher.

  • Somit soll unter anderem den kleinen, mittleren Brauereien ein Klotz mehr in den Weg gelegt werden, um stattdessen den Verkauf der profitgesteuerten,Industrieeinheitsplörre-AG zu fördern.
    Ich würde deswegen auf lokale Biere setzen, die leider immer weniger den Gaumen runterlaufen, da sie schlichtweg verdrängt werden.

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