Biermarkt: Tschechische Budweiser steht vor Privatisierung

Biermarkt
Tschechische Budweiser steht vor Privatisierung

Die tschechische Regierung erwägt den Verkauf der staatlichen Traditionsbrauerei Budweiser Budvar. Geldnot bewegt den tschechischen Staat dazu, über einen Verkauf des Unternehmens mit einem Marktanteil von rund sechs Prozent ernsthaft nachzudenken. Die tschechische Innenpolitik stand bislang einem Verkauf im Wege. Budweiser-Konkurrent Anheuser-Busch gilt als größter Interessent.

DÜSSELDORF. Für die vorherige tschechische Regierung war die Privatisierung ein Tabuthema. Die jetzige schwarz-grüne Koalition, die seit Januar im Amt ist, spricht hingegen offen über den möglichen Verkauf der südböhmischen Brauerei. Der Grund liegt in den ungefähr 30 Mrd. Kronen (eine Mrd. Euro), die das Kabinett für Infrastrukturprojekte benötigt.

„Der Wert der Marke Budweiser wird auf 20 bis 30 Mrd. Kronen geschätzt. Ich sehe keinen Grund, warum man die staatliche Brauerei nicht verkaufen könnte“, sagte Industrieminister Martin Riman jetzt der Handelsblatt-Partnerzeitung „Hospodarske noviny“.

Es ergebe keinen Sinn mehr, den Verkauf von Tafelsilber anzuprangern. Schließlich sei die Brauerei Pilsner Urquell, ein viel größeres Unternehmen, bereits in den Händen von Südafrikanern, gab Riman zu Bedenken. Weitere Kabinettsmitglieder sollen sich dieser Meinung angeschlossen haben.

Landwirtschaftsminister Petr Gandalovic, dessen Ressort für Budweiser zuständig ist, verhält sich aber noch zurückhaltend und sagt, dass vor einem möglichen Verkauf der Markenstreit mit Anheuser-Busch bereinigt werden solle, damit der Wert der Marke maximiert werde. Sämtliche Vorgänger im Amt des Landwirtschaftsministers hatten schützend die Hand über das Budweiser-Management unter der Führung von Generaldirektor Jiri Bocek gehalten. Eine der vorherigen Regierungskoalitionen wäre an der Frage der Privatisierung der Brauerei sogar beinahe gescheitert.

Der langjährige gerichtliche Streit mit dem US-Konkurrenten Anheuser-Busch wird in Tschechien als großes Problem angesehen. Denn beide Unternehmen beanspruchen den Namen Budweiser. Die US-Amerikaner hätten das Problem am liebsten schon vor Jahren durch eine Übernahme der tschechischen Brauerei gelöst. Sie gelten deswegen als größter Interessent für das Unternehmen. Der Wert der Marke wurde seinerzeit auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt.

Doch im Streit um die Markenrechte haben der US-Biergigant und die Tschechen vor wenigen Wochen eine erste „friedliche“ Einigung erzielt. Danach wird Anheuser-Busch zum Generalimporteur des Bieres als „Czechwar Lager“ in den USA.

Der größte Teil des tschechischen Biermarktes (44,2 Prozent) befindet sich in Händen des südafrikanischen Braugiganten SAB-Miller, Inbev (Marke: Staropramen) hält über 15 und die deutsche Radeberger Gruppe (Marke: Krusovice) knapp fünf Prozent Marktanteil. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 160 Litern gelten die Tschechen als Europameister im Biertrinken.

Budweiser-Chef Bocek gab am Dienstag keinen Kommentar zu den Vorgängen ab.

Mitarbeit: Barbara Bublikova

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