Bieter-Wettstreit
Erneute Wende im Kampf um Opel-Übernahme

Im Kampf um die Übernahme des Autobauers Opel zeichnet sich eine überraschende Wende ab: Nach einem Zeitungsbericht gibt es seit Wochen intensive Verhandlungen mit dem Investor RHJ International. Sie sollen auf einen Abschluss zusteuern.

HB BERLIN. Die in Belgien ansässige Tochter des US-Finanzinvestors Ripplewood will laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" noch im Lauf der kommenden Woche dem Vorstand des Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und dem Treuhand-Beirat, der die Mehrheit an Opel hält, ein komplexes Vertragswerk vorlegen.

RHJ-Vorstandschef Leonhardt Fischer wolle dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna Opel in letzter Minute wegschnappen, schreibt die Zeitung. Auch Magna wollte ursprünglich in dieser Woche einen Vorvertrag für den Erwerb des Europageschäfts von GM vorlegen, zu dem Opel gehört. Doch laut Medienberichten vom Samstag ist dieser Zeitplan ins Wanken geraten.

GM-Boss Fritz Henderson hatte am Freitag bestätigt, dass es mit den Interessenten Magna, RHJ und BAIC Verhandlungen gibt. Mit einem Abschluss sei noch im Juli zu rechnen, sagte Henderson. Zuvor hatte es bereits in Medienberichten geheißen, sowohl RHJ als auch BAIC hätten ihre ursprünglichen Angebote nachgebessert.

Laut "Bild am Sonntag" hat die in Brüssel ansässige RHJ ihr ursprüngliches Angebot für Opel in einem wichtigen Punkt nachgebessert: Alle deutschen Standorte sollen demnach nun erhalten bleiben, auch das Werk in Bochum, da es "zur Identität der Marke gehört". Die langfristige Sicherung des Standortes ergebe sich daraus, dass der neue Opel Zafira in Bochum gefertigt werden solle.

Der RHJ-Restrukturierungsplan sehe einen Garantiebedarf der europäischen Staaten mit GM-Standorten von insgesamt 3,8 Milliarden Euro vor, die spätestens bis 2014 zurückgezahlt werden sollen. Das wäre knapp eine Milliarde Euro weniger als bei Magna, mit einer zudem deutlich kürzeren Rückzahlungsfrist. RHJ wolle den Kreditbedarf minimieren, um die Zinslast für das künftige Unternehmen und die Belastung der Steuerzahler möglichst gering zu halten.

Von den rund 52 000 Opel-Jobs in Europa würden nach dem RHJ-Konzept etwas weniger als 10 000 abgebaut werden, wie die Zeitung schreibt. RHJ selbst lehnte auf Anfrage des Blattes eine Stellungnahme ab.

Die Bundesregierung sei über die neue Entwicklung informiert. In Berlin sehe man Magna zwar noch immer in der Favoritenrolle, nehme RHJ und den chinesischen Mietbieter BAIC aber sehr ernst, schreibt die Zeitung. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte dem Blatt: "Die Bundesregierung spricht selbstverständlich mit allen, die sich ernsthaft an sie wenden."

Zugleich warnte der CSU-Minister mit Blick auf die betroffenen Landesregierungen vor Vorfestlegungen: "Ich warne vor Selbstüberschätzung: Ein Vertragsabschluss zur Sicherung von Opel gelingt nicht deshalb, weil dies eine Landesregierung oder die Bundesregierung so wünscht. Das hängt zunächst und vor allem von den Vertragspartnern ab."

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