Bieterkampf
Cerberus greift nach Sanyos Chipsparte

Bis August will der Elektrokonzern Sanyo einen Käufer für seine notleidende Halbleitersparte auswählen. Zu den Bietern gehört auch der Finanzinvestor Cerberus, der sich unlängst den US-Autohersteller Chrysler einverleibt hat. Um auch eine Chance für den Zuschlag für Sanyos Chipproduktion zu erhalten, muss Cerberus – ebenso wie die anderen Interessenten – eines versprechen.

fmk TOKIO. Der amerikanische Private-Equity-Fonds Cerberus gehört zu den Bietern für die notleidende Halbleitersparte des Elektrokonzerns Sanyo. Das schreiben japanische Medien unter Berufung auf informierte Kreise. Das Unternehmen hoffe, bis zu 100 Mrd. Yen (620 Mill. Euro) für die Tochtergesellschaft Sanyo Semiconductor zu erhalten, heißt es von Analysten. Andere Quellen sprechen von einem Mindestpreis von 150 Mrd. Yen.

Bis August will Sanyo einen Käufer auswählen, im September sollen die Vorbereitungen für den Verkauf abgeschlossen sein. In Frage kommt Firmeninformationen zufolge nur ein Bieter, der Arbeitsplatzsicherheit für die 2 000 Mitarbeiter der Sparte verspricht. Im vergangenen Sommer hatte Sanyo die Sparte in ein eigenes Unternehmen ausgelagert und im Zuge dieses Umbaus 4 200 Mitarbeiter entlassen. Seit ein besonders schweres Erdbeben 2004 die wichtigste Chipfabrik des Konzerns zerstört hatte, hing die Sparte am Tropf.

Zwei weitere Finanzinvestoren bieten Zeitungsberichten zufolge für Sanyos Chipproduktion: Ein Bündnis aus den Private-Equity-Fonds Blackstone, CVC und Verstar sowie eines aus den asiatischen Fonds Longreach, Francisco Partners und CCMP Capital Asia. Einziger strategischer Investor mit echtem Interesse am Geschäft sei der japanische Halbleiterhersteller Rohm.

2006 hatten sich die Großbank Sumitomo Mitsui, das Anlagehaus Daiwa und Goldman Sachs mit 300 Mrd. Yen bei Sanyo eingekauft, nachdem das Unternehmen den zweiten Milliardenverlust meldete. Sie tauschten fünf von neun Vorstandsmitgliedern gegen eigene Leute aus. Es sei wahrscheinlich, dass das Unternehmen bei der laufenden Restrukturierung den Vorstellungen von Daiwa und Goldman Sachs folgen werde, sagte zu dieser Zeit Analyst Yasuo Nakane von der Deutschen Bank Tokio. Die Chipsparte wurde zwar 2006 profitabel, passt aber nach Ansicht der Investoren nicht zum Kerngeschäft. Vor zwei Wochen hat Sanyo seine Finanzsparte für 126 Mrd. Yen an den US-Mischkonzern General Electric verkauft.

Sanyo kämpft derzeit mit einer Reihe von Problemen: Die Bilanzen der Jahre 2002 bis 2004 waren nicht in Ordnung, weshalb die Wertpapieraufsicht ermittelte. Das Unternehmen legt Ende des Jahres korrigierte Zahlen vor. An der Konzernspitze gab es in den vergangenen Wochen mehrere Wechsel. So schieden der Sohn und der Enkel des Firmengründers Iue aus Führungspositionen aus, um den Weg für einen mehr am Gewinn orientierten Kurs freizumachen.

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