Bieterkampf
Magna führt im Rennen um Opel

Der Kampf um Opel geht in die entscheidende Phase. Die drei Bewerber für einen Einstieg beim angeschlagenen Autobauer verlangen angeblich hohe Staatsgarantien - und erklären Stellenabbau für unvermeidbar. Während die Bundesregierung die Konzepte der Interessenten prüft, scheint sich Mutterkonzern General Motors schon auf einen Favoriten festgelegt zu haben.

HB FRANKFURT/BERLIN. Im Milliardenpoker um Opel liegt der kanadisch-österreichische Magna-Konzern vor Fiat und dem US-Finanzinvestor Ripplewood. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen wird der Autozulieferer vom Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) derzeit als attraktivster Bieter im Dreikampf um den Rüsselsheimer Traditionshersteller angesehen. Allerdings wollen alle drei Bieter einen Einstieg bei Opel mit milliardenschweren Staatshilfen abfedern.

In der Gunst des GM-Managements steht Magna an der Spitze, dahinter folgt der Finanzinvestor Ripplewood - und dann erst der italienische Autobauer Fiat. Das sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen dem Handelsblatt. Sie bestätigten damit gleichlautende Informationen des "Spiegel". Sprecher von Fiat, Opel und Magna wollten zu den Informationen nicht Stellung nehmen.

Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch sieht in der Offerte von Magna die besten Perspektiven für Opel. Es gebe eine „deutliche“ Reihenfolge bei den drei vorgelegten Geboten, sagte Koch am Freitag dem „Deutschlandfunk“. Das Mangna-Angebot sei „am nächsten an den Wünschen“. Der italienische Autobauer Fiat sei mit seinen Plänen weit entfernt von dem, was man sich erhofft habe. Die Chancen für eine Opel-Rettung seien deutlich gestiegen, fügte Koch hinzu. Er sei optimistisch, dass eine Vereinbarung mit den USA über eine Brückenfinanzierung für Opel erreicht werden könne.

Die GM-Konzernzentrale betrachtet Fiat als Rivalen auf dem US-Heimatmarkt, weil die Italiener auch eine Beteiligung an Chrysler wollen. Außerdem habe Fiat GM 2005 beim Streit über die geplatzte Zusammenarbeit bluten lassen. Dies habe man bei GM nicht vergessen. GM musste sich damals mit einer Milliardensumme aus einer Liaison mit Fiat herauskaufen. Unterdessen wurde bekannt, dass sich Fiat bei seinen Plänen für einen Weltkonzern mit einem weiteren chinesischen Hersteller verbünden will. Die Italiener seien eine Produktionspartnerschaft mit Guangzhou Automobile eingegangen, sagte Guangzhou-Generaldirektor Zeng Qinghong der Zeitung „Shanghai Securities News“.

Opel-Mitbieter Ripplewood wiederum verdanke seinen zweiten Platz auf der Präferenzliste der Tatsache, dass der US-Finanzinvestor Opel im GM-Konzerngefüge belassen wolle - und damit dem US-Autobauer weiter entgegenkomme als die beiden industriellen Kandidaten. So strebt der Finanzinvestor nur eine Beteiligung an Opel an und will die Rüsselsheimer nicht aus dem Konzernverbund herauslösen, erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. Eine endgültige Festlegung von GM sei damit aber noch nicht getroffen worden, hieß es. Noch würden alle drei Konzepte intensiv geprüft.

Der Opel-Betriebsrat hat dabei besonders das Übernahmeangebot Ripplewoods begrüßt. Das Konzept sei „absolut logisch und nachvollziehbar“, sagte Opel-Konzernbetriebsratschef Klaus Franz der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „Die Welt“. „Das Angebot muss ernsthaft geprüft werden.“ Leider werde es in der aktuellen Diskussion nicht angemessen wahrgenommen.

Allerdings dürfte mit der Präferenz des US-Herstellers für Magna eine erste wichtige Vorentscheidung gefallen sein. Denn Magna hat auch die Sympathien von Teilen der SPD, des europäischen GM-Managements sowie der Opel-Belegschaft, die bei einem Einstieg von Fiat einen drastischen Stellenabbau fürchtet. Alle drei Interessenten - Fiat, Magna und Ripplewood - hatten am Mittwoch kurz vor Ablauf der Bieterfrist bei der Bundesregierung verbindliche Angebote für Opel eingereicht.

Allen drei Konzepte sähen einen Stellenabbau vor. Fiat wolle nach einem Einstieg bei Opel europaweit insgesamt 18 000 Arbeitsplätze streichen, auch in eigenen Fiat-Werken. Konzernchef Sergio Marchionne erklärte gegenüber dem "Spiegel", dass im Falle einer Übernahme die Gesamtkapazitäten um insgsamt 20 Prozent abgebaut werden müssten. Dies betreffe auch die deutschen Standorte, Schließungen werde es aber nicht geben. Im Konzept von Magna sei von einem europaweit recht gleichmäßig verteilten Abbau rund 10 000 Stellen die Rede, berichtete die Zeitung weiter. Stellenstreichungen in dieser Größenordnung sehe auch das Ripplewood-Konzept vor. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

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