Bieterkampf um Haldex Schweden sprechen sich für ZF-Offerte aus

Im Wettbieten um den schwedischen Bremsenspezialisten Haldex kann ZF Friedrichshafen erneut punkten. Der Verwaltungsrat von Haldex unterstützt das Angebot des deutschen Zulieferers. Hat Knorr-Bremse nun das Nachsehen?
Update: 19.09.2016 - 11:48 Uhr
Der deutsche Zulieferer hat im Bieterkampf die Unterstützung des Haldex-Verwaltungsrates. Quelle: dpa
ZF Friedrichshafen

Der deutsche Zulieferer hat im Bieterkampf die Unterstützung des Haldex-Verwaltungsrates.

(Foto: dpa)

Landskrona/FriedrichshafenIm Übernahmepoker um den schwedischen Lkw-Bremsenspezialist Haldex sind jetzt die Aktionäre am Zug. Sie müssen in den kommenden Wochen entscheiden, ob Haldex im drittgrößten Autozulieferer der Welt ZF Friedrichshafen aufgeht oder vom Konkurrenten Knorr-Bremse geschluckt wird. Letzterer bietet zwar mit 125 schwedischen Kronen je Aktie einen um fünf Kronen höheren Preis, doch das Haldex-Management gibt dem Stiftungskonzern vom Bodensee den Vorzug.

Die Schweden sehen wegen der Überschneidungen zwischen den beiden Bremsenherstellern Haldex und Knorr kartellrechtliche Hürden. „ZF hat erklärt, alle notwendigen Genehmigungen zu haben, während ein echtes Risiko besteht, dass die Offerte von Knorr-Bremse komplett scheitern würde“, erklärte der Haldex-Verwaltungsrat am Montag.

ZF sah sich durch die erneute Unterstützung der Haldex-Spitze darin bestärkt, trotz niedrigeren Preises ein besseres Angebot vorgelegt zu haben. „Haldex passt kommerziell, technisch und strategisch perfekt zu ZF“, erklärte ein Sprecher. Knorr-Bremse bietet umgerechnet rund 580 Millionen Euro. „Wir sind davon überzeugt, mehr Wert für Haldex schaffen zu können“, erklärten die Münchner.

Die Haldex-Aktie hielt sich an der Börse in Stockholm unterdessen über 127 Kronen und damit über dem höheren Gebot – ein Indiz dafür, dass die Anleger mit einer neuen Bieterrunde rechnen. ZF und Knorr hatten am Freitag ihre Preise beide aufgestockt.

Die Annahmefrist für das niedrigere Gebot von ZF wurde verlängert bis zum 3. Oktober. ZF hatte wie auch Knorr die Annahmeschwelle auf 50 Prozent plus eine Aktie gesenkt. Die Schwaben behielten sich vor, die Übernahme mit noch weniger Zustimmung abzuschließen. Die Annahmefrist von Knorr-Bremse läuft voraussichtlich vom 27. September bis 5. Dezember. Haldex-Verwaltungsratschef Göran Carlson hatte seine Aktien bereits an ZF verkauft, insgesamt hält das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits 21,24 Prozent der Anteile in den Händen. Knorr-Bremse hat sich nach Angaben vom Freitag 11,35 Prozent gesichert.

Das sind die größten Autozulieferer
Platz 14: Valeo
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14,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der französische Autozulieferer im vergangenen Jahr. Das Unternehmen wirbt unter anderem damit, dass jedes dritte Auto in Europa mit einer Valeo-Kupplung fährt.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 13: Goodyear
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Der US-Konzern ist der weltweit drittgrößte Reifenhersteller und kam 2015 auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Platz 12: Lear Corporation
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Der amerikanische Zulieferer stattet vor allem das Innenleben der Autos aus, unter anderem mit Sitzgarnituren. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro kommt Lear auf Rang zwölf.

Platz 11: Faurecia
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Der französische Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die weltweit fast 100.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 20,7 Milliarden Euro.

Platz 10: Michelin
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Der traditionsreiche französische Reifenhersteller kam 2015 auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro.

Platz 9: Johnson Controls
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Eine Batterie steht im Werk Johnson Controls in Hannover auf einem Produktionsband. Der Mischkonzern produziert und vertreibt Innenausstattungen und Elektroniksysteme vieler Autohersteller. Umsatz: 23,9 Milliarden Euro.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Das japanische Unternehmen ist vor allem für seine Reifen bekannt. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Hintergrund des Übernahmekampfes ist Experten zufolge die strategisch wichtige Technologie für autonomes Fahren von Lkw. ZF würde sich mit Lenkung, Sensoren und Bremsen aus einer Hand eine herausragende Position als Systemanbieter sichern. Insbesondere mit der Haldex-Technologie für die Druckluftbremse will ZF Lücken schließen. „Damit sind wir bei Nutzfahrzeugen in der gleichen Position wie bei Pkw, beherrschen Lenkung, Bremse, Getriebe, Sensorik und Elektronik“, sagte Chef Stefan Sommer vergangene Woche dem Handelsblatt.

Das wolle Knorr-Bremse verhindern, sagte ein Insider. Der Bremsenhersteller aus München hat mit einem Jahresumsatz von 5,8 Milliarden Euro eine Spitzenposition am Markt. Haldex aus dem schwedischen Landskrona gehört mit einem Jahresumsatz von einer halben Milliarde Euro zu den kleineren Konkurrenten.

  • rtr
  • dpa
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