Bieterkampf um Syngenta

BASF könnte mehr als 45 Milliarden Dollar locker machen

Der Verkauf des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta droht, sich in eine Bieterschlacht zu verwandeln. Nach dem US-Konzern Monsanto hat auch der Chemie-Riese BASF Interesse geäußert: Die Kriegskasse sei „gut gefüllt“.
Update: 04.06.2015 - 16:54 Uhr Kommentieren
Vor dem Konkurrenzangebot durch BASF hatte der US-Agrochemie-Konzern Monsanto Interesse an Syngenta geäußert. Quelle: Reuters
Konkurrent Monsanto

Vor dem Konkurrenzangebot durch BASF hatte der US-Agrochemie-Konzern Monsanto Interesse an Syngenta geäußert.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer mögliche Einstieg des Chemieriesen BASF in das Rennen um Syngenta hat die Spekulationen um den Schweizer Konzern angeheizt. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Bieterkampf steigt“, sagte Analyst Patrick Rafaisz von der Bank Vontobel am Donnerstag. Die Aktie des Pflanzenschutz- und Düngemittel-Herstellers war mit einem Plus von zeitweise knapp drei Prozent einer der größten Gewinner an der Börse in Zürich.

Reuters hatte von Insidern erfahren, dass BASF eine Übernahmeofferte für Syngenta erwägt und mit Investmentbankern über ein mögliches Angebot spricht. Auch der amerikanische Saatgut- und Genpflanzen-Produzent Monsanto interessiert sich für die Schweizer. Sie weisen die 45 Milliarden Dollar schwere Offerte von Monsanto aber bislang als zu niedrig zurück.

Ebenso wie bei Monsanto dürfte ein Zusammenschluss von BASF mit Syngenta von den Wettbewerbsbehörden mit Argusaugen begutachtet werden. „Die Übernahme von Syngenta wäre für BASF zwar strategisch sinnvoll, aber auch mit größeren regulatorischen Hürden verbunden“, hieß es bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Insbesondere der kombinierte Marktanteil von rund 40 Prozent bei Pflanzenschutzmitteln wäre wohl zu hoch.

„Eine Verbindung von BASF und Syngenta würde großen kartellrechtlichen Problemen gegenüberstehen“, schätzen auch die Analysten des Brokers Bernstein. Es sei wahrscheinlicher, dass BASF lediglich an am Saatgutgeschäft der Schweizer interessiert sei. Insider hatten zu Reuters gesagt, BASF prüfe derzeit die Möglichkeit einer Offerte, es sei aber noch keine Entscheidung gefallen und am Ende könnte es auch darauf hinaus laufen, dass es kein Angebot gebe.. BASF will sich dazu nicht äußern.

Der Ludwigshafener Konzern war von Analysten bereits zuvor als wahrscheinlichster Kandidat für einen Kauf der Syngenta-Saatgutsparte genannt worden, sollte Monsanto diese verkaufen, um sich die Zustimmung der Kartellbehörden zu sichern . Monsanto-Chef Brett Begemann hatte erklärt, er sei unter anderem bereit, die gesamte Saatgutsparte von Syngenta zu veräußern, um die Transaktion über die Bühne zu bringen. Nach Ansicht der Schweizer unterschätzt Begemann aber die regulatorischen Hürden für die Übernahme. Anwälte der beiden Unternehmen haben sich in der vergangenen Woche in New York getroffen, um zu diskutieren, ob diese Hürden aus dem Weg geräumt werden könnten, sagte ein anderer Insider. Am Markt wird erwartet, dass Monsanto seine Offerte noch erhöht.

BASF hat bislang kein eigenes Saatgutgeschäft und das Angebot der Ludwigshafener an Pestiziden könnte durch diesen Bereich sinnvoll ergänzt werden. „So eine Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen“, sagte Analyst Christian Faitz von Kepler Cheuvreux mit Blick auf einen möglichen Verkauf des Syngenta-Saatgutgeschäfts. „BASF hat die Kriegskasse dafür, das würde für alle Beteiligten gut passen.“

Öl aus Libyen, Styropor und die Kompaktkassette
Firmengründer Friedrich Engelhorn
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Der Leuchtgasfabrikant Friedrich Engelhorn gründet im April 1865 in Mannheim mit Partnern die Aktiengesellschaft „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF). Sie soll aus Steinkohlenteer synthetische Farbstoffe gewinnen. Doch Mannheim bleibt Engelhein nur sehr kurz treu.

Konzession
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Denn Subventionen locken ihn schon unmittelbar nach Gründung nach Ludwigshafen. Datiert auf den 8. Mai 1865 ist eine Konzession für die Badische Anilin- und Soda-Fabrik.

BASF-Stammwerk 1866
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In den Anfangstagen reichte das Werk in Ludwigshafen noch nicht bis ans Rhein-Ufer. Doch die Schlote qualmten auch damals schon.

Auslandsexpansion
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Auch die Auslandsexpansion gehört schon früh zur Geschäftsstrategie von BASF. Das Bild zeigt eine Fabrik in Moskau im Jahr 1877.

Stammwerk Ludwigshafen, 1881
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Schon wenige Jahre nach der Gründung folgen die ersten Zukäufe. Sehr schnell übernehmen neben den Kaufleuten die Chemiker und Ingenieure eine tonangebende Rolle im Unternehmen – und treiben die Expansion mit bahnbrechenden Neuerungen voran, mit Herstellverfahren etwa für Farbstoffe, Schwefelsäure oder später dem Haber-Bosch-Verfahren, das die Düngemittelproduktion revolutionierte.

Werk in Ludwigshafen, 1901
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Das rasante Wachstum der Firma lässt sich am Wachstum des Werksgeländes in Ludwigshafen ablesen.

Forschung wird zum Erfolgsfaktor
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Aufbau einer Produktionsanlage im Jahr 1913 in Oppau, nahe Ludwigshafen. Ab 1908 beginnt die BASF nach grundlegenden Arbeiten des Karlsruher Professors Fritz Haber unter Leitung von Carl Bosch mit der Realisierung der Ammoniaksynthese im industriellen Maßstab.

Am weltweiten Markt für Pestizide, Mittel gegen Insektenbefall, Unkräuter und Pilze hat BASF nach Syngenta und Bayer einen Anteil von rund elf Prozent. Bei einem Zusammenschluss von BASF und Syngenta könnte es auch zu Anteilsverkäufen kommen, um kartellrechtliche Bedenken aus dem Weg zu räumen. Mit einer Offerte würde BASF jedoch womöglich die Allianz mit seinem Kooperationspartner Monsanto gefährden. Seit 2007 arbeiten die beiden Konzerne bei der Entwicklung biotechnologisch veränderter Nutzpflanzen zusammen.

  • rtr
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